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Granada, Alhambra
Blick vom »Saal der zwei Schwestern« in den Aussichtsturm der Linderaja, das einstige »Haus der 'A'ischa«. Die Genauigiceit dieses Stiches ist bemerkenswert; er trägt der Staffelung der Raumschichten, die einen der Reize dieser Architektur ausmacht, hervorragend Rechnung.
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Burgruine La Guardia de Jaén Die Bergkuppe besali zur Römerzeit - und vielleicht schon früher - eine befestigte Siedlung. Über den römischen Mauern sind westgotische, dann arabische und am Ende christliche errichtet worden, und es ist kaum zu sagen, welcher Epoche die noch bestehenden Teile im einzelnen angehören. Die Türme zeugen von dem ständig bedrohten Leben in einer Gegend, die durch Jahrhunderte hindurch Grenzgebiet zwischen christlichen und islamischen Herren war.
Der Kontrast zwischen den desolaten Schloßruinen auf den Höhen der sonnenverbrannten Gebirgslandschaften und den von raffinierter Lebenskunst zeugenden Palästen der Städte mit ihren kühlen Patios, den murmelnden Wasserspielen und den duftenden Blumen, dieser Kontrast hat die Phantasie der nördlichen Europäer seit der Romantik immer wieder angeregt. Seit Washington Irving, einem der ersten und liebenswürdigsten Spa-nien-Liebhaber, dessen Alhambra-Tales von 1832 Weltruhm erlangten, begibt sich der Andalusien-Reisende auch immer auf die Suche nach einer Traum- und Märchenweh, in der Almanzor, Boabdil und Carmen nach anderen Gesetzen leben, heben und leiden. »Andalusien«, das Wort bedeutet für den Nordeuropäer einen Orient, der die Zauber des islamischen Orients besitzt ohne dessen Fährnisse; seine auch heute gelegenthch noch mittelalterlich anmutenden Sitten und Gebräuche, seine Landschaften und Städte erinnern ihn an Nordafrika und Vorderasien, aber seine Modernisierung bewahrt ihn am Ende doch vor unangenehmen Überraschungen.
Andalusien ist ein Land, in dem Islam und Christentum sich mit letzter Konsequenz bekämpften, ein Kreuzzugland, in dem der Großinquisitor auf den Imam folgte, in dem Büßerprozessionen die Straßen einstiger Suqs durchqueren und in dem trotz aller Intoleranz, allen Hasses zwischen den beiden Religionen und Kulturen sich doch gemeinsame Lebensformen entwickelt haben, die die Phantasie beflügeln.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die romantische Sichtweise einer wissenschaftlichen gewichen. Und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelangen großartige und immer noch gültige Zusammenfassungen auf den Gebieten der andalusischen Sprache, Geschichte, Literatur und Kunst, die zwar immer wieder erweitert und bereichert, aber noch keineswegs umgestoßen worden sind. Heute ist das einst islamische Spanien Gegenstand intensiver Forschungen; es ist noch zu früh, umfassende Neudarstellungen zu formulieren, aber es stellt sich immer wieder die Aufgabe, die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte in das von den Altmeistern umrissene und immer noch gültige Panorama einzugliedern.
Geographisch und administrativ bezeichnet der Name Andalusien (Andalucía) heute die südwestliche Region Spaniens und schließt die Provinzen von Almeria, Málaga, Cádiz, Huelva, Sevilla, Córdoba, Jaén und Granada ein. Drei geomorphologische Einheiten sind klar unterschieden: in der Mitte das Mergel- und Sandtal des Guadalquivir, das von Hügeln begrenzt wird und monoton in Sand und Morast am Atlantik ausläuft; im Norden die