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Albrecht Fabri
Text zu einem Fernsehfilm über eine Max Ernst-Ausstellung
Im Kölner Wallraf-Richartz-Museum wird seit Ende 62 eine rund 200 Katalognummern umfassende Max Ernst-Ausstellung gezeigt. Sie reicht von den Bildern der Dada-Zeit, die so anmutig freche Titel tragen wie ,C'est le chapeau qui fait l'homme' oder ,frau wirtin an der lahn, schutzengelin der deutschen, dein ist die Industrie, anatomie, Paläontologie', bis zu Arbeiten des letzten Jahres; und wiewohl es von der bewußt barbarischen Anti-Peinture der Anfange zu der deli-katen, alle Raffinements von fünf Jahrhunderten aktualisierenden malerischen Meisterschaft der späteren Jahre so etwas wie einen Fort- ;
schritt gibt: Max Ernst hat seine Methode nicht verändert, nur ausgebaut. — Eine höchst paradoxe Methode übrigens, die u.a. darin , besteht, sich das Bild gleichsam von außen diktieren und aufdrängen zu lassen, d.h. den aktiven Anteil des Malers an der Entstehung des Büdes weitgehend zu beschränken. Bezeichnend dafür die von Max Ernst in Büchern wie den ,Paramythen' oder ,Les Malheurs des Im-mortels' seit den frühen zwanziger Jahren entwickelte Technik der Collage. Man versteht darunter die Montage präfabrizierter, je nachdem alten Xylographien, Katalogen oder Annoncen entnommenen Bildelementen zu neuen, ihren ursprünglichen Zusammenhang zerreißenden und sie dementsprechend schockartig verfremdenden Kombinationen. Ahnlich mit der alten, von Max Ernst zur Kunst erhobenen Technik der Frottage. Ich brauche sie eigentlich kaum zu erklären: Sie aUe haben als Kinder einmal Geldstücke durchgerieben. Unter der Hand Max Emsts resultiert aus diesem Spiel, das sich ihm 1925 beim Anblick eines rissigen Fußbodens aufdrängte, eine komplexe poetische Welt. Aus dem Durchreiben von Hölzern, Netzen, Käfiggittern, Stuhlsitzen, Steinen, entstehen Sonnen- und Mondscheiben, Eisblumen, Bäume, Tiere, Wälder: es gelingt Max Ernst ' nämlich, diese Techrük, die ursprünglich graphisch gerichtet ist, auch für die Ölmalerei nutzbar zu machen. Der aus dem Jahre 1926 stammende ,Grätenwald' z.B.-: eindeutig ein Maschendrahtmuster! / Ähnlich bei der ,Versteinerten Stadt'. Da in der Metapher aber alles mit allem verwandt ist, d.h. strikte Promiskuität herrscht, gibt es so gut wie nichts, das mit dieser Technik rücht erreich- und entschlüssel- I bar wäre. Es braucht mithin weniger und weniger die surrealistischen Paradestücke, die im übrigen schon ihre fatale 19. Jahrhundert-Tech- ' nik verrät: Max Ernst erreicht die Surrealität, in der Traum und Wirklichkeit verschmelzen, d.h. die Dinge aufhören. Gegenüber,