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VORBEMERKUNG
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Es gehört zur Schulweisheit, daß Günter Grass Autor der Danziger Trilogie ist. Daß Max Frisch, der Schulautor schlechthin, mit seinen Romanen Stiller, Homo faber und Mein Name sei Gantenbein eine Zürcher Trilogie verfaßte, ist selbst in literaturkritischen Kreisen kaum bekannt, bestenfalls umstritten.' Frischs Roman-Trias mit ihren drei Zürcher Protagonisten kann jedoch auf Grund ihrer Kontextstruktur, die eingehend zu untersuchen sein wird, den Titel der Trilogie mit innerster Berechtigung beanspruchen. Rein äußerlich geben sich die Tri-logien beider Autoren, 1959-1963 bzw. 1954-1964 erschienen, als exemplarische Kontrast- und Komplementärwerke der Restaurationsepoche zu erkennen. Rekonstruiert Grass das politisch-historische Desaster der Moderne, so reflektiert Frisch v. a. die ästhetisch-philosophischen Diskurse dieser Moderne. Die esoterisch-barocke Fabulierkunst der Danziger Trilogie gestaltet Geschichtserfahrung und Vergangenheitsbewältigung, die esoterisch-artistische Experimentierkunst der Zürcher Trilogie problematisiert Prozesse der Selbsterfahrung und - wie sich zeigen wird - sozial-kulturelle Tendenzen der Zukunft. ^
Zunächst einmal werden die wesentlichen Gesichtspunkte der Frisch-Romane in ihren Bedeutungszusammenhängen darzustellen und im Kontext ihrer Rezeptionsgeschichte zu diskutieren sein. Die Werkkomplexität und Forschungsvielfalt machen eine gewisse Themenbeschränkung notwendig, sie soll jedoch durch Verweise auf relevante Sekundärliteratur so weit wie möglich durchbrochen werden.
Im Verlauf der Darstellung gewinnt ein Mythen-Modell an Transparenz, welches den drei Romanen als gemeinsames Orientierungsmuster zugrunde liegt: die Mythographie des Matriarchats. Diese über hundertjährige „Chronique scandaleuse" des Patriarchal-Verdrängten war seit Anbeginn von Widersprüchen und Kontroversen gekennzeichnet. Der Literaturkritik der Nachkriegszeit erschien schließlich die Mythenbildung der Moderne - aus historisch guten Gründen -mehr als suspekt, vom Mutter-Mythos, dem Archetyp des „Großen Weiblichen" ganz zu schweigen. Bachofens Mutterrecht-Ux.o'p'it und ihre überaus komplexe Wirkungsgeschichte besitzen jedoch paradigmatischen Verweischarakter sowohl für die regressiven wie progressiven Tendenzen der Moderne und Spätmoderne. Deren Diskurse um das Unbewußte, das Absolut-Andere, um den Verlust der Transzendenz