Bővebb ismertető
Eine alte Historiker-Erfahrung besagt, daß in der Regel eine mindestens fünfzigjährige Distanz nötig ist, um ein historisches Faktum oder eine kulturelle Leistung im Koordinatensystem ihrer Kausalzusammenhänge, in ihrer Weltbedeutung und in ihren Wirkungspotenzen mit wissenschaftlich-kritischen Methoden analysieren und in den Jahrhundertablauf gerecht einordnen zu können.
So geht es uns auch mit dem theatralischen Lebenswerk von Max Reinhabdt, der vor 25 Jahren (3L Okt. 1943) in Amerika gestorben ist, dessen künstlerische Hauptleistungen jedoch schon fünfzig Jahre und noch weiter zurückliegen. Wie vieles Große oder Neue waren Rein-haedts Inszenierungen und die Art seiner Theaterleitung zu seinen Lebzeiten und noch lange danach heftig umstritten. Erst langsam lösen sich alle die Spannungen und die aus der jeweiligen Tagessituation entstandenen Polemiken; und wir sind auf Grund nun zahlreich vorliegender Quellen in der Lage, das Wertbeständige in Reinhäbdts Lebensleistung vom bloß Effektbedingten oder Unzureichenden oder nur dem Tag Dienenden zu unterscheiden.
Es geht dabei nicht bloß um regional begrenzte künstlerische Leistungen, sondern es geht um die Weltwirkung des von Reinhabdt neu Geschaffenen. Nicht bloß das Theater des deutschen Sprachraums wurde durch Rbinhaedts Neuerungen zu entscheidenden Strukturwandlungen gezwungen, sondern ein Großteil des europäischen Theaters der letzten Jahrhundertwende. Reinhardts Wirkung auf das noch im ersten Aufblühen begriffene amerikanische Theater war jedoch mindest ebenso eindringlich und nachhaltig wie die Wirkung auf das Theater der meisten europäischen Völker.
Die Ursachen sind zunächst in der geistesgeschichtlichen Antrittssituation zu suchen. Als der junge Max Reinhardt nach Schauspieler-Anfänger jähren in Wien, Preßburg und Salzburg in das Ensemble von Otto Beahm, also in das frühe Berliner Deutsche Theater eintrat, das damals die Hochburg des naturalistischen Theaters für Deutschland war, standen einander zwei künstlerische Fronten schroff gegenüber: auf der einen Seite die durch den Historismus des 19. Jahrhunderts bedingte Inszenierungsform der damaligen Hoftheater, für die die große, ebenfalls zur Weltwirkung gediehene Bühnenleistung des Herzogs Geoeg von Meiningen zum Vorbild geworden war. Historische Treue bis zum letzten Detail des Bühnenbildes, der Kostüme, der Requisiten, aber