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IM STROM WESTLICHER MEDITATION
Wer das Wort «Meditation» hört, denkt meist nur an die fernöstlichen Techniken der Einkehr und vergißt darüber die reichen Schätze westlicher Meditationstradition. Doch immer schon gehörten Gebet und Meditation wesentlich und unaufgebbar zur christlichen Frömmigkeit: die glaubende, hoffende, vertrauende und liebende Kontaktnahme mit dem dreifaltigen Gott, die persönliche Christusbegegnung in Besinnung und innerem Gespräch waren von jeher Herzmitte und Grundwert des geistlichen Lebens. «Die Mannesreife, das Vollmaß der Lebenshöhe Christi» (Eph 4,13) konnte und kann nur erreicht werden durch ein «Erstarken am inneren Menschen» (Eph 3,16), durch ein «Hellsichtigwerden der Augen des Herzens» (Eph 1,18), durch «Weisheit und geistiges Verständnis» (Kol 1,9). In Gebet und Beschauung schenkt der Heilige Geist den Gläubigen die Fähigkeit, «mit allen Geheiligten zu begreifen, was es ist um die Breite und Länge, die Höhe und Tiefe der Liebe Christi, und sie zu erkennen, die erhaben ist über alle Erkenntnis» (Eph 3,18—19).
Bereits alttestamentliche Frömmigkeit pflegte das meditative Beten: halblaut wurden besinnlich Gottesworte und Psalmverse wiederholt — als Hilfe zu einer Lebensgestaltung aus dem Gesetz des Herrn. Das Magnifikat Mariens sei als Beispiel solchen Betens angeführt; Lukas spricht ja ausdrücklich von der meditativen Sammlung der Gottesmutter: «Maria behielt alle diese Geschehnisse und erwog sie in ihrem Herzen» (Lukas 2,19). Selbst Jesus zog sich in die Wüste zurück. Wie unermeßlich und unfaßbar, von welch erfüllter Tiefe das kontemplative