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ActaLitteraria Academiae Scientiarum Hungaricae, 25 (1—2), pp. 115—125 (1983)
Meditationen über Béla Bartók
ZUM HUNDERTSTEN JAHRESTAG SEINER GEBURT* Dénes Zoltai
Ich muß Sie schon inständig ersuchen, meine verehrten Hörer, die folgenden Meditationen nicht etwa als feierliche Gedenkrede auffassen zu wollen. Das Jubiläum könnte allerdings dazu verleiten. Insbesondere in unserem Zeitalter, in diesem — wie man es zu bezeichnen pflegt — Zeitalter ohne Leitbilder, wo selbst die Skeptiker, die Resignierten nach dem Licht von Pharussen Umschau halten (wie nebenbei selbst ein Dichter an der Schwelle der Modernität es tat, Charles Baudelaire, mit Les phares, dem bekannten Stück seiner 'Les fleurs du mal'). Und es gibt auch Verlockungen, welchen man ohne Scham nachgeben könnte. Letzten Endes suchen wir allesamt Orientierungswerte, völlig abgesehen davon, welcher Generation wir angehören, wie unser Charakter, unser Weltbild beschaffen ist, mit welchem Kollektiv wir uns — ideell oder reell — identifizieren wollten; also völlig abgesehen davon, woher wir kommen und wohin wir streben. Ein Jubiläum vermag auch eine verlockende Gelegenheit im besten Sinne des Wortes zu sein, um im Lichte der heraufbeschworenen Gestalten oder Ereignisse der Vergangenheit unsere Wertwahlen von neuem durchzudenken. Im Falle kleinerer Völker kommt besonders häufig solcherlei Wunsch des Suchens nach Kontinuität, nach Identität vor. Ich selbst habe daheim in Ungarn jedenfalls oft die Erfahrung gemacht, daß das Erinnern an einen bedeutenden Repräsentanten unserer geistigen Kultur, gelegentlich dieser oder jener Jahreswende, weitaus mehr sein kann als formeller Pietätsakt. Vergangenes Jahr gedachte man bei uns beispielsweise des Proletarierlyrikers Attila József, in wissenschaftlichen Tagungen und auch in Veranstaltungen der Volksschulen. Im kommenden Jahr wird das Lebenswerk von Zoltán Kodály, des Komponisten und Musikpädagogen in den Vordergrund allgemeiner Aufmerksamkeit gelangen — und ich bin überzeugt, daß jene Gedenkfeiern wertvolle Erkenntnisse auch für die Jetztzeit erbrachten und erbringen werden. Im laufenden Jahr feiert die ungarische Kultur Béla Bartók. Und wir können von Woche zu Woche, Tag um Tag die Erfahrung machen, daß es überall auf dem Erdball unzählig viele Leute
* Vorlesung an der Philos. Fakultät der Universität zu Beograd, 15. Mai 1981
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Acta Litteraria Academiae Scientiarum Hungaricae 25,1983