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DIE KÜSTENFORMEN EINES KONTINENTS
Die Naturforscherin Rachel Carson beschreibt die Küsten der Erde als den Raum, „wo seit Urzeiten die Elemente Erde und Wasser aufeinandertreffen". Wie man hier und auf den folgenden Seiten sehen kann, sind auf den 32 000 Kilometern Küstenlinie, die den kleinsten Kontinent der Erde, Australien, säumen, alle denkbaren Formen dieses Aufeinandertreffens von Land und Meer vertreten: An manchen Stellen gehen Überflutungsgebiete sanft in Salzmarschen über, anderswo prallen die Wellen hart gegen felsige Kliffs.
Jede Küste ist ständiger Veränderung unterworfen. An Sandstränden vollzieht sich diese oft fast unmerklich; jede Welle transportiert ein paar Sandkörner an der Küste entlang oder hinaus in das offene Meer. An Steilküsten kann es zu abrupten Veränderungen kommen, wenn durch den Anprall der Brandung gewaltige Felsblöcke vom Steilabfall eines Kliffs stürzen.
Das Land ist jedoch nicht immer der Verlierer. Die Wellen, die Strände erodieren, können sie ebenso gut durch Ablagerung von Sedimenten verbreitern: Die von Flüssen ins Meer getragenen Sedimente werden von Küstenströmungen weitertransportiert, bis sie schließlich von der Brandung abgelagert werden. Und in den fruchtbaren Feuchtgebieten geschützter Küsten bauen widerstandsfähige Vegetationspioniere, wie die tropischen Mangrovén, neues Land auf, indem sie die Sedimentoberfläche stabilisieren und zwischen ihren Stelzwurzeln Sedimente festhalten.
In Australien wie auch anderswo ist in jüngerer Zeit der Mensch als neuer Faktor bei den küstenbildenden Prozessen hinzugekommen. Die Menschen zieht es an die Küsten, doch deren ständige Gestaltveränderung stellt auch eine Gefahr für Häfen und Grundbesitz dar. Immer wieder versuchen deshalb die Menschen, dieses Problem dadurch zu lösen, daß sie die wandernden Sande stabilisieren und die Klifferosion verhindern. Aber nur selten gelingt es, in „den Rhythmus von Land und Meer", den Rachel Carson beschrieben hat, dauerhaft einzugreifen. Allen Wellenbrechern und Strandmauern zum Trotz bleibt die Küste „ein Raum des Kompromisses, des Kampfes und der ständigen Veränderung".