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Vorwort 15 Was ist Geschichte? Auf diese Frage sind schon viele Antworten gegeben worden. Die meisten verstehen darunter zweifellos die Aufzeichnung vergangener Ereignisse. Aber schon bei kurzer Überlegung wird deutlich, daß es sich nicht um die Aufzeichnung allen Geschehens handeln kann, sei es nun die Geschichte der gesamten Menschheit oder eines Volkes, die einer Religion oder einer Institution. Geschichte, wie sie vom Chronisten festgehalten oder vom Historiker dargestellt wird, macht es zwangsläufig nötig, gegenüber der Gesamtheit des innerhalb eines bestimmten Gebietes Geschehenen gewisse Ereignisse als besonders wesentlich auszuwählen. Auswahl bedeutet auch, daß Interpretationskriterien eine Rolle spielen: Welche Ereignisse sind bedeutungsvoll? Es werden mit anderen Worten aus dem Komplex vergangener Ereignisse bestimmte als historisch wichtig ausgesondert. Dieser Auswahl- und Interpretationsprozeß ist höchst kompliziert und hat begonnen, nachdem der Mensch Vergangenes aufgeschrieben hat - seit dem Anfang des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Die Auswahl eines historischen Ereignisses bedeutet auch, daß ein Abstraktions- und Verdichtungsprozeß stattfindet, der etwas Künstliches an sich hat, aber dem Menschen angeboren ist und einen Grundbestandteil seiner Rationalität ausmacht. Das setzt voraus, daß ein Zeitablauf als eine Kette von Ereignissen gesehen w: denen jedes deutlich faßbar ist. Bei genauer Prüfung jedoch rd, vor st dies, rennen Voraussetzung schwer zu rechtfertigen. Das, was wir »Zeit« ist in seinem Wesen rätselhaft. Zeit ist eine wesentliche Kategorie unseres Bewußtseins, wir können nicht aus ihr heraustreten und sie objektiv beurteilen. Zeit stellt sich uns vornehmlich im siel/ stetig wandelnden Rahmen unserer Erfahrung dar. Wären wir uns dieses Wandels nicht bewußt, ließe es sich schwer vorstellen, wie w« der Zeit gewahr werden sollten. Aber obwohl wir uns ständig des'?eit-ablaufes bewußt sind, betreffen uns bestimmte Phänomene mehr als andere, und wir verleihen ihnen besondere Bedeutung; wir wählen aus einer zusammenhängenden Folge einen bestimmten Abschnitt aus und isolieren ihn als einschneidendes Ereignis. Der Teil, den wir so aussondern, mag sich über mehrere Jahre erstrecken. So wird die Französische Revolution als ein entscheidendes Ereignis innerhalb der französischen Geschichte bezeichnet. Gewöhnlich \ unser Instinkt, ein noch schärfer abgrenzbares Ereigni len, dem wir besondere Bedeutung verleihen: Der Sl Bastille am 14. Juli 1789 gilt als Beginn der Französische als ein Meilenstein der französischen Geschichte. Der große Historiker Leopold von Ranke hat es als di des Geschichtsforschers bezeichnet, so zu schreiben, »wie lieh gewesen ist«. Seine Definition wird zweifellos stets all chafHich objekl haben, auch als Warnung geg( Schreibung oder eine, die der Verteidigung scher oder religiöser Ziele dient. Inzwischei klar darüber, daß diese Definition ein Ideal d; erreichen ist. Eine Auswahl und Interpretation erscheinender geschichtlicher Tatsachen wird Geschichtsschreib: ne propagandistische Geschichts-:)nalistischer, politi-man sich allerdings rstellt, das nicht zu bestimmter wichtig on Menschen vor- genommen, die ihrerseit: beeinflußt sind: von Erziehung, und von persönlichen Interessen samte hebräische Geschichtsschreibi verfolgen, daß Zeit ein gi die Vorsehung Yahweh: schichte des auserwählte Gegensatz dazu ist in de die empirische Welt kein
zahlreichen Faktoren geformt und Religion und Volkszugehörigkeit und Zielsetzungen. Durch die ge-; läßt sich die Überzeugung 1 dessen Verlauf sich schrittweise als Ge-Israels, enthüllt. Im id Buddhisten adliniger Prozeß sei , des Gottes Israeli 1 Volkes, der Kind. ¦ Vorstellung di bildung abl; lieh wiederhole Bedeutung hat Obwohl R: bleibt und al: b;
Wirklichkeit, sondern nur ein in der Eit ifender Prozeß von Erscheinungen, der aus sich unent Zyklen besteht, so daß Geschichte letztlich keir Dokumente der Iren Faktor persönlicher Färbui wurzelte Überzeugung, daß Geschi Geschichtsschr : Vergangenhei I enthalten. :hte wi Diese Vorstellung beruht dara Mensch habe wesentlichen Anteil an der F. Obgleich die marxistische Betrachtung d( Erfüllung bestimmter ökonomis-als logisch anerkan. mg der Tatbestände d :h als Resultate einer ;n. Uns allen sind di tig, um zu wissen, daß zu di treten, die verhi ster abläuft, da; künftige Positiv fige weithir schätzu lediglic zufassf dem Ersten Weltkrieg den von rreichbar einen unveränder-besteht die tiefver-ind der Erforschung ß man meint, der irmung seines Schicksales, r Geschichte als zwangs-:her Grundgesetze heute :d, hält uns eine realistische Ein-davon ab, Vergangenheit und Gegenwart r wirtschaftlichen Vorbestimmtheit aufletzten Jahrzehnte hinreichend gegenwär-1 ökonomischen ganz unwägbare Faktoren idem, daß Geschichte nach einem vorbestimmten Mu-nan voraussagen könnte wie etwa Astronomen die zu-n von Planeten. Obwohl die Situation Europas nach : Aufgabe es eigent-das Ideal Bestand
ihaubaren Keim ei id die Rolle ahnen, die Adolf Hitler in den zwanzi-frühen dreißiger Jahren gespielt hat. Eine ganze Reihe 1 des Zweiten Weltkrieges, deren Ausgang kaum vorher-1940 die Schlacht um England, 1942/43 die Niederlage ider eine in einem anderen Land hergestellte erste Atom-. rückblickend zu Recht Abenteuer der Geschichte ge-Jede philosophische Definition historischer Fakten selbst wird zweifellos eingestehen müssen, daß ; der Geschichte des Menschen beunruhigender für sein Schicksal gewesen sind als andere.