Bővebb ismertető
Es war Ende Oktober 1958 auf einer Tagung der Gruppe 47 in der Ortschaft Großholzleute im Allgäu. Von den hier versammelten Schriftstellern kannte ich nur wenige -kein Wunder, denn ich lebte erst seit drei Monaten wieder in dem Land, aus dem mich die deutschen Behörden im Herbst 1938 deportiert hatten. Jedenfalls fühlte ich mich bei dieser Tagung isoliert; und so war es mir nicht unrecht, daß in der Mittagspause ein jüngerer deutscher Autor, mit dem ich mich im vergangenen Frühjahr in Warschau unterhalten hatte, auf mich zukam. Noch wußte ich nicht, daß schon am nächsten Tag, mit dem ihm verliehenen Preis der Gruppe 47, sein steiler Aufstieg zum Weltruhm beginnen sollte.Dieser kräftige junge Mann, selbstsicher und etwas aufmüpfig, verwickelte mich nun in ein Gespräch. Nach einem kurzen Wortwechsel bedrängte er mich plötzlich mit einer einfachen Frage. Noch niemand hatte mir, seit ich wieder in Deutschland war, diese Frage so direkt und so ungeniert gestellt. Er, Günter Grass aus Danzig, wollte nämlich von mir wissen: Was sind Sie denn nun eigentlich - ein Pole, ein Deutscher oder wie? Die Worte oder wie deuteten wohl noch auf eine dritte Möglichkeit hin. Ich antwortete rasch: Ich bin ein halber Pole, ein halber Deutscher und ein ganzer Jude. Grass schien überrascht, doch war er offensichtlich zufrieden, ja beinahe entzückt: Kein Wort mehr, Sie könnten dieses schöne Bonmot nur verderben. Auch