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VorwortAuch diese Zeilen werden einer strengen Censur nicht entsprechen und wenn Sie dieselben verbrennen würden, wäre es gewiß das beste; wenigstens versprechen Sie mir, sie gut zu verwahren, damit nie ein fremdes Auge sie erblickte. Das schrieb Kaiser Franz Joseph am 14. Februar 1888 der Burgschauspielerin Katharina Schratt.Es brauchte nicht dieser Mahnung, um zu erkennen, wie anfechtbar eine Veröffentlichung solch höchst privater Briefe ist. Franz Joseph schrieb der Freundin ja in vollem Vertrauen auf ihre Diskretion und ohne den leisesten Gedanken an eine spätere Veröffentlichung -und das drei Jahrzehnte lang. Die Briefe bilden somit eine unfreiwillige und schonungslose Selbstdarstellung des sonst so unnahbaren und verschlossenen Kaisers, der hier seine Ängste und Unsicherheiten eingesteht, seine Schwächen wie seine Stärken offenbart - und seine emotionelle Abhängigkeit von der Freundin.Die Briefe sind aber auch Zeugnisse des kaiserlichen Alltags und Ersatz für einen entspannenden wienerischen Plausch bei Gugelhupf und Kaffee - mit dem dabei üblichen Gemisch von Wichtigem und Unwichtigem, Alltäglichkeiten neben hoher Politik, Theater- und Familientratsch, Freuden, Sorgen, Eifersüchten und Unpäßlichkeiten. In einem Federzug werden darin (zum Beispiel am 2. April 1897) die monarchiebedrohenden Nationalitätenkrawalle der Badeni-Zeit und die Wirkung des Abführmittels erörtert, das die Freundin eingenommen hatte, nach dem Motto: Eigentlich wollte ich Ihnen nur kurz schreiben, allein wenn ich ins Plauschen komme, höre ich nicht auf. Ich denke mir dabei, daß ich wirklich mit Ihnen spreche (Cap Martin, 4. März 1894). (Bevor der Leser allerdings den Autor wegen der durcheinandergewürfelten Themen verurteilt, möge er sich fairerweise ausmalen, was und worüber wohl Politiker anderer Zeiten mit ihren Frauen oder Freundinnen zur Entspannung reden.) Jedenfalls sind die Briefe über pohtische, biographische und psychologische Belange hinaus auch von großem Wert für unsere Kenntnis vom Alltag um 1900 in allerhöchsten Kreisen.