Bővebb ismertető
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Diese seltsamen, zarten, kruden, unflätigen Geschichten lesend, erinnere ich mich an Leipzig, als es noch eine Stadt der Ruinen, der Dunkelheiten, des stündlichen Hungers und der grauen Kleider war. Das Städtische Schauspielhaus, notdürftig in Ordnung gesetzt, wurde im Vergleich zu heute noch seitenverkehrt betrieben, das Publikum saß also dort, wo heute die Bühne sich befindet, und die Bühne bot das Drama dem Zuschauer noch von jener Seite, an der heute die Notausgänge liegen. Die Sensation der Saison waren Stücke aus Frankreich, welche unter den gebildeten Ständen Leipzigs so hitzig diskutiert wurden wie Kollektivschuld und Gewandhausorchester, denn es ging darin um nicht weniger als um die Frage, wie der Mensch innere Freiheit erlangen könne, ob er nicht sogar frei geboren und daher frei in jeder seiner Entscheidungen sei. Die örtlichen Philosophen, wie Kartenleger befragt, warfen dem atemlos lauschenden Publikum die verschiedensten Interpretationen zu, und die verstörten Bürger, immer in der Hoffnung, irgendwie doch noch um den drohenden Marx herumzukommen, griffen mit Gier und Beifall zu. Ein Stück mit dem Titel »Der Reisende ohne Gepäck« beherrschte den Spielplan.
Es ging darin um ein junges Herrchen, das sein Gedächtnis verloren hatte und dem die besorgte und begüterte Familie die Erinnerungen wiederzugeben versucht. Je mehr der junge Herr aber erkennt, was für ein windiges Früchtchen er wohl gewesen sein mußte, desto entschlossener behauptete er, dieser Mensch, um den sich alle bemühen, nicht gewesen zu sein. Indem er sich seiner Vergangenheit verweigert, gewinnt er seine Freiheit. Das Vergangene ist für ihn tot. Er lebt als ein Neuer ohne ein Anderer zu sein. Der Applaus war gewaltig, die philosophischen Köpfe Leipzigs nickten einander wissend zu, die Schüler der ansässigen Philosophen fanden in den Wandelgängen demonstrativ zueinander und feierten des Schauspielers Technik und Timbre und den Beginn