Bővebb ismertető
Ich rette ein weißes Klavier
Ich hielt die Leute, bei denen ich lebte, für meine Eltern. Ich nannte sie Mama und Dad. Die Frau sagte eines Tages zu mir: »Sag nicht Mama. Du bist alt genug, um es zu wissen. Ich bin nicht mit dir verwandt. Du lebst nur hier. Deine Mama wird dich morgen besuchen. Zu ihr kannst du Mama sagen, wenn du willst.«
Danke, sagte ich. Ich fragte sie nicht nach dem Mann, den ich Dad nannte. Er war Briefträger. Ich saß morgens auf dem Rand der Badewanne, sah zu, wie er sich rasierte, und stellte ihm Fragen — wo Osten oder Westen lag, oder wie viele Menschen es auf der Welt gab. Er war der einzige, der je meine Fragen beantwortete.
Die Leute, die ich für meine Eltern hielt, hatten eigene Kinder. Sie waren nicht geizig; sie waren einfach arm. Sie konnten anderen nicht viel geben, auch nicht ihren eigenen Kindern. Und für mich blieb nichts übrig. Ich war sieben, aber ich übernahm meinen Anteil an der Arbeit. Ich putzte die Böden, wusch das Geschirr ab und erledigte Besorgungen. Meine Mutter besuchte mich am nächsten Tag. Sie war eine hübsche Frau, die nie lächelte. Ich hatte sie schon oft gesehen, aber ich wußte nie genau, wer sie war. Als ich diesmal: »Guten Tag, Mama!« sagte, blickte sie mich lange an. Sie hatte mich nie geküßt oder mich in die Arme genommen und kaum mit mir gesprochen. Damals wußte ich nichts über sie, aber ein paar Jahre später erfuhr ich einiges. Wenn ich jetzt an sie denke, schmerzt es mich doppelt so sehr wie damals als kleines Mädchen. Es schmerzt mich für sie und für mich. Meine Mutter heiratete mit fünfzehn. Sie hatte zwei Kinder (vor mir) und arbeitete in einem Filmstudio als Cutterin. Eines Tages kam sie früher als gewöhnlich nach Hause und fand ihren jungen Mann mit einer anderen Frau im Bett. Es gab einen Riesenkrach, und ihr Mann verließ, die Tür hinter sich zuschlagend, die Wohnung.