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VORWORT
Dies Buch ist nicht für Musikwissenschaftler bestimmt, sondern für Musiker und Musikfreunde, die Aufschlüsse über die Entwicklung der Dirigierkunst und ihre hauptsächlichsten Vertreter suchen; von diesem Gesichtspunkt aus habe ich es geschrieben und danach bitte ich es zu beurteüen.
Eine wissenschaftliche „Geschichte des Dirigierens" verdanken wir Georg Schünemann (Leipzig, Breitkopf & Härtel, 1913), der nicht nur alles, was vorher über den Gegenstand geschrieben ist, zusammengefaßt, sondern auch viel Neues hinzugetragen und das ganze Gebiet bis etwa in dasi zweite Drittel des 19. Jahrhunderts erschöpfend und in vorbildlicher Weise dargestellt hat. Diesem Werk bin ich vielfach zu Dank verpflichtet. Aber die Quellen fließen uns allen gemeinsam, und was aus ihnen zu schöpfen ist, kann in sehr verschiedene Gefäße gefüllt werden. Schünemann nachzuarbeiten hätte nicht den geringsten Sinn gehabt, wenn es nicht meine Absicht .gewesen wäre, etwas anderes zu machen als er. Es sollten zunächst die technischen Einzelheiten, die dort einen großen Raum einnehmen, hier nur soweit in Betracht gezogen werden, als es zum Verständnis des Ganzen notwendig ist. Vielmehr wollte ich das Hauptgewicht auf die künstlerische Seite der Sache legen und eine Anzahl möglichst scharf umrissener Musikerbildnisse zeichnen. Das äußere Gebahren eines Orchesterleiters ist immer, sofern es nicht auf bewußter Schauspielerei beruht, was ja freilich auch vorkommen soll, ein Ergebnis der inneren Erregung, also gewissermaßen ein Sichtbarwerden seelischer Vorgänge. Das muß demnach ebensogut beschrieben werden, wie die hierdurch erzielte Wirkung, denn erst beides zusammen, Schale und Kern, bildet die Künstlerpersönlichkeit des Dirigenten. Wieweit diese Schilderungen mir geglückt sind, weiß ich natürlich nicht; jeder Autor denkt ja, er hat seine Sache gut gemacht; wirklich beurteüen kann es erst der Leser. .