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Museum des Louvre in Paris darf nicht nur als eine der großartigsten Kunstsammlungen der Welt gelten, es ist der Inbegriff einer Kunstsammlung überhaupt. Das liegt einerseits an dem seltenen Reichtum der Bestände: Die Gemäldegalerie übertrifft durch die lückenlose, wenn auch nicht in allen Teilen gleichmäßig reiche Folge an hervorragenden europäischen Bildern aus dem 14. bis 19. Jahrhundert alle anderen Museen der Welt. Daneben werden jedoch in weiteren Abteilungen Zeugnisse vorderasiatischer, ägyptischer, kretisch-mykenischer, griechischer und römischer sowie byzantinischer und mittelalterlicher Kunst, außerdem Schätze der Plastik und des Kunstgewerbes verwahrt. Zum anderen verleiht das alte, Louvre genannte Schloß, das durch die Jahrhunderte aus einem königlichen Festungsbzw. Wohnbau zu einem riesigen Museumskomplex heranwuchs, dem Ganzen repräsentative Würde.
Diese in ihrer Art einmalige Konzentration menschlicher Kulturgüter verdankt ihr Entstehen besonderen historischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen. Der Bau war als Königspalast angelegt, und auch ein Großteil der heute in ihm verwahrten Werke stellte ursprünglich den königlichen Kunstbesitz dar, der durch die französische bürgerliche Revolution im ausgehenden 18. Jahrhundert zum Nationaleigentum wurde. Da nun Frankreich an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit der größte und wirtschaftlich am weitesten fortgeschrittene zentralisierte Staat des Kontinents war, konnte sich hier in der Folgezeit das Königtum, das im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts öfter durch geschickte Förderung des Bürgertums wirtschaftlich profitierte, mit ungewöhnlich selbstbewußter Kraft entwickeln. Im Ursprungsland des Absolutismus erreichte daher die königliche Prachtentfaltung, nicht zuletzt in der bildenden Kunst, größte Ausmaße, und der Kulturblüte entsprach die Sammelleidenschaft des Hofes. Später, nach der bürgerlichen Revolution, war es die starke Anteilnahme der französischen Nation, die für den kontinuierlichen Ausbau der Louvrebestände besondere Bedeutung gewann.
Heute hat die Sammlung einen solchen Umfang angenommen, daß es vieler Stunden bedarf, um an den ausgestellten Werken auch nur vorbeizuschreiten; die Einzelbeschäftigung mit einer solchen Fülle erscheint fast uferlos. Durch die Anzahl von hundert Bildern ist unsere Auswahl begrenzt, die einen Einblick in die Schätze der Gemäldegalerie bieten will, wobei die französischen Werke aus dem 19. Jahrhundert besonders reich vertreten sind. Der Verlag sieht seine Aufgabe darin, möglichst vielen Kunstinteressenten die Möglichkeit zu geben, in den Besitz der farbigen Wiedergaben zu gelangen. Nur kurz und informativ mögen - an Stelle einer wissenschafdichen Einführung - einige Bemerkungen über die Zusammensetzung der Gemäldebestände in ihrer kunstgeschichtlichen Folge und über das Zustandekommen des Bauwerkes wie der Bildersammlung vorangestellt werden.
Die im Louvre verwahrte Gemäldefolge spiegelt die Entwicklung der europäischen Malerei von den Anfängen der Renaissance bis zur Überwindung des Impressionismus in ihren wesentlichen Richtungen wider; die Schwerpunkte sind, wenn auch mit unterschiedlichem Gewicht und bei weitgehendem Vorherrschen französischer Werke, auf diejenigen Länder und Zeitabschnitte verteilt, in denen die entscheidenden künstlerischen Ereignisse zu verzeichnen sind. Diese Entwicklung sei, um einen Überblick über die Louvre-Gemälde zu bieten, in großen Zügen skizziert.
Das Ursprungsland der Renaissance - und damit der Kunst der Neuzeit - war Italien; von hier ging die Bewegung aus, die eine allmähliche Befreiung der Persönlichkeit aus mittelalterlich gebundenen Vorstellungen zu Selbstbewußtsein und wissenschaftlicher Welterkenntnis herbeiführte. In der Malerei