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EINFÜHRUNG Gleich zu Anfang sei es gesagt: der Titel, den wir dieser Betrachtung gegeben habén, wáre genauer, wenn wir anstatt „Flámische Maierei" geschrieben hátten: „Die Maierei in Flandern". Denn die Bezeichnung „flámisch" ist künstlich erweitert worden und umfafit nicht mehr nur die Maler der Grafschaft Flandern, sondern auch die der Grafschaften und Herzogtümer der ehemaligen Niederlande. Im 14. Jahrhundert, sagt Fierens-Gevaert, wurde alles, was aus Belgien und Holland kam, „flamisch" genannt. Nehmen wir alsó unseren Standpunkt ein und bedienen wir uns dieser Vokabel, um die Meister jener Periode und jenes Landes zu benennen, die uns hier bescháftigen: „Primitive", die in Wahrheit um nichts weniger wissend waren als die Maler der Renaissance. Heute ist es uns klar, dafi kaum etwas so sehr dem wechselseitigen Austausch, den „Einflüssen", der übrigen Welt unterliegt wie die Kunst, woraus sich denn die grófién Stile wie die grófién Ideen entwickeln, die ein Zeitalter beherrschen. Doch wie der Wein ein und desselben Wachstums eine bestimmte Sorté ergibt, die man in der ganzen Welt an Blume und Geschmack erkennt, so nimmt die Maierei in gewissen Augenblicken und in einem besonderen Gebiet eine eigene Tönung, einen Stíl, eine plötzlich scharf hervortretende Gestalt an. So war es in Flandern, vor der Geburt Jan van Eycks. Man möchte meinen, damals habe alles dazu beigetragen, die Voraussetzung für jene einzigartige, unvergleichliche Huldigung an da-s Christentum zu schaffen, die das Genter Altarwerk mit der Anbetung des Lammes darstellt: Krönung alles dessen, was der internationale Stil bis dahin tastend angestrebt hatte, sei es in den Werken der Nelkenmeister in Bern, Freiburg und Zürich, sei es in denen des Konrád Witz oder Róbert Campin. Manche erkennen auch in den Miniatűrén der Handschriften, die ein Anonymus zwischen 1410 und 1415 für den Meister von Boucicaut malte, den Meister, der von den Pariser Ateliers aus die ersten Elemente jenes Stils nach Flandern hinübersandte, der sidi dann bei van Eyck verwirklichen sollte. Eines ist sicher: Seit dem Ende des 14. Jahrhunderts verraten alle rein flandrischen Werke französischen Charakter. Paris war das internationale Atelier, in dem eine Revolution der malerischen Technik stattfand. Von gröfierer Bedeutung als Rasse und Klima war das Milieu, das „ambiente" (wie die Italiener sagen), in dem die grofie naturalistische Bewegung entstand, der so viele Fiamén angehört habén. Französische Kritiker, wie Louis Gillet, sind jedenfalls der Meinung, dafi die Renaissance, die man seit van Eyck datiert, eine Tochter der Stadt Paris sei. Auf dem Goldgrund der Miniaturisten erwadisen allmáhlich Gráser, Blumen, Báume, ganze Landschaften; Perspektiven öffnen sich, Licht bricht herein und gibt mit immer bestimmterer Realitát die Vorstellung des Raumes. Dieser Naturalismus, „mafivoll pathetisch, wahrhaft, ohne vulgár zu sein", erhált alsó seine ersten Impulse in den Werkstátten, die für die Höfe Frankreichs und Burgunds arbeiten. Von dort geht alles aus, dorthin kehrt es zurück, und wenn spater