Bővebb ismertető
Wenige Werke der bildenden Kunst vermitteln uns so eindringlich das Erlebnis des Geschichtlichen wie schöne alte Bücher. Zum Buch besitzen wir aus taglichem Umgang eine persönliche Beziehung. So kommt es wohl, daü uns der Eindruck des Vertrautseins mit dem Buch auch dann nicht verláflt, wenn wir in der Handschriftenabteilung einer Bibliothek die Gelegenheit habén, in einem jahrhundertealten Buch behutsam zu bláttern. Aber dieses Gefühl der persönlichen Nahe zum Buch mischt sich dann in eigentümlicher Spannung mit dem Bewufitsein der geschichtlichen Entfernung: Das Buch, in dem wir lesen können wie sein ursprünglicher Besitzer, ist doch durch Zeitráume von uns getrennt, die erfüllt sind von geschichtlichem Werden und Vergehen, es hat seine eigene Geschichte, ja, es hat vielleicht geholfen, Geschichte zu machen. Dieses Erlebnis der Geschichte habén wir besonders tief vor den starkfarbig auf goldenem Grund glühenden Bildern in hochmittelalterlichen Handschriften. Für die Menschen des Mittelalters1 hat das Buch aus verschiedenen Ursachen eine besondere Wichtigkeit gehabt. Bücher vermittelten ihnen die Erkenntnisse, bis zu denen das Altertum bereits vorgedrungen war, ehe der Zusammenbruch der antiken Gesellschaftsordnung die nachfolgenden Generationen zwang, vieles selbstándig von neuem zu beginnen. Bücher waren die vornehmsten Bewahrer der kulturellen Tradition. Zum anderen 1 In dieser Arbeit wird háufig der Begriff Mittelalter gebraucht. Wir verstehen darunter etwa die Zeit vom 5. bis zum 15. Jh. Die Diskussion über eine genauere BegrifTsbildung und Periodisierung ist noch im Gangé. Kunstgeschichtlich bedeutet das Mittelalter die Zeit zwischen dem Absterben der auf Naturbeobachtung beruhenden antiken Kunst und der neuerlichen Durchsetzung der Naturbeobachtung als verpflichtende Grundlage der Kunst im 15. Jh.