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EINLEITUNG
Das Kunsthistorische Museum beherbergt Kunstsammlungen, die ehemals im Familienbesitz des österreichischen Kaiserhauses gewesen sind. Viele Habsburger haben kleinere oder größere Sammlungen aus privatem Interesse angelegt, einige von ihnen sammelten systematisch und in einem so großen Stil, daß noch heute die Wiener Sammlungen zu den bedeutendsten der Welt zählen. Der Name "Kunsthistorisches Museum" ist nicht ah, sondern er wurde erst dem prachtvollen Gebäude gegeben, das zwischen 1871 und 1891 errichtet wurde, um flir die längst vorhandenen Sammlungen eine gemeinsame, repräsentative und wissenschaftlich fundierte Aufstellung zu ermöglichen. Auch schon vor 1891 waren diese kaiserlichen Sammlungen Museen, jedoch auf verschiedene OrtHchkeiten verteilt. Es befand sich die Gemäldegalerie im Oberen Schloß Belvedere, die ägyptischen, orientalischen, griechischen und römischen Altertümer im Unteren Schloß Belvedere. Dort gab es auch Säle mit Goldschmiedearbeiten, Bronzen und Elfenbein der Renaissance und des Barocks, während viele andere kunstgewerbliche Objekte gemeinsam mit den Insignien und dem habsbur-gischen Familienschmuck in der Schatzkammer der Hofburg aufbewahrt wurden. Manche Teile der heutigen Antikensammlung wurden zusammen mit den Münzen und Medaillen in Räumen der Hofburg verwahrt, die als Museum für das Publikum zugänglich waren. Dort befanden sich in nächster Nachbarschaft auch Mineralien, Konchylien und andere Wunderdinge der Natur, die heute im Naturhistorischen Museum gezeigt werden. Dieses Gebäude, äußerlich in gleichen Formen und Maßen erbaut
wie das Kunsthistorische Museum, steht diesem gegenüber und vereint seit 1881 die bis dorthin ebenfalls verstreut aufbewahrten naturhistorischen und anthropologischen Sammlungen der Habsburger.
Noch ehe das Kunsthistorische Museum 1891 von Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet wurde, hatte man die verschiedenen Kunstsammlungen neu geordnet und aufgestellt. Als erstes war die Leibrüstkammer mit Harnischen und Waffen eingezogen, die vorher im Arsenal als ein Denkmal des österreichischen Kriegsruhmes dargeboten wurden.
Diese berühmte Kollektion, die heute den Namen Waffensammlung führt, ist aus dem neuen Gebäude 50 Jahre später wieder ausgezogen, um eine modernere Aufstellung der kunstgewerblichen Objekte zu ermöglichen. Sie wird seither im 2. Stockwerk der Neuen Burg gezeigt, einem Flügel der alten Hofburg, der auch die Sammlung alter Musikinstrumente und das Ephesos-museum beherbergt. Zum Verband des Kunsthistorischen Museums gehören noch weitere Sammlungen, die nicht im Hauptgebäude,- aber auch nicht in der Neuen Burg, sondern in der Alten Hofburg, in der Stallburg, in Schloß Schönbrunn und in Schloß A mbras bei Innsbruck präsentiert werden. In dem vorliegenden Buch ist aber nur von jenen Sammlungen die Rede, die im Hauptgebäude an der Ringstraße dargeboten werden. In erster Linie bietet dieser Band daher Reproduktionen von Gemälden der Galerie sowie ausgewählte Beispiele der ägyptischorientalischen Sammlung, der Antikensammlung und der Sammlung für Plastik u/id Kunstgewerbe.
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