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N1EDERLANDE N aer het leven", schrieb Pieter Bruegel derÁltere auf viele seiner Zeichnungen, um sie nachdrücklich als Studien nach der lebendigen Natúr zu kennzeichnen. Das ist um so bemerkenswerter, als für seine Zeit das Naturstudium schon nicht mehr Selbstverstándlichkeit war, und nach seinem Tode entfernte sich die niederlándische Zeichenkunst unter italienischem EinfluB noch stárker von der Natúr. Dennoch war es gerade die Forderung nach einem intensiven Naturstudium, nach einem realistischen Verháltnis zur Umwelt, die sich seit Beginn des 15. Jahrhunderts immer stárker erhob und welche die bis dahin nur sekundár genutzte Zeichnung als ein ideales künstlerisches Médium zwischen Mensch und Natúr erscheinen lieB. Begünstigt durch die anlaufende Papierfabrikation, die das teure Pergament entbehrlich machte, breitete sich die Zeichnung vornehmlich in Italien, aber auch in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich schnell aus und hat zumindest auf künstlerischem Gebiet bis in die Gegenwart hinein nichts von ihrer damals erstmalig erkannten Bedeutung eingebüBt. Von der Gruppé der Nachzeichnungen abgesehen, die Kompositionen von Gemálden wiedergeben, diente die Zeichnung in der Mehrzahl der Fálle dabei der Vorbereitung eines gröBeren Werkes, sei es nun als Natúr-, Bewegungs- oder Kompositionsstudie für ein Gemálde, als Architekturstudie, technische Zeichnung oder Ornament-Entwurf. Bald aber wurde die Zeichnung als selbstándige künstlerische Leistung anerkannt. Rein áuBerlich ist die Signierung durch deft Künstler ein Zeichen dafür, daneben láBt aber auch das schon früh einsetzende Auf bewahren und Sammeln der Zeichnungen - wir könnten sonst heute nicht darüber berichten - die groBe Wertschátzung der Künstler-Zeichnung erkennen. Von der historischen Seite her betrachtet hat somit die Zeichnung nicht unwichtigen Anteil an dem gewaltigen, alle Gebiete des geistigen und gesellschaftlichen Lebens berührenden UmwálzungsprozeB, der das Mittelalter ablöst und die Neuzeit einleitet. Vor allém in der neugewonnenen realistis cheren Einstellung zur Umwelt wurde die Zeichnung, die wie keine andere bildkünstlerische Ausdrucksform in der Lage ist, in sensibler unmittelbarer Beobachtung die grenzenlose Vielfalt und Eigenart der Umwelterscheinungen aufzunehmen und geistig zu verarbeiten, zu einem wesentlichen künstlerischen Hilfsmittel, den veránderten Anforderungen gerecht zu werden. Es ist das 15 .Jahrhundert, das man in diesem Sinne das erste groBe Jahrhundert der Zeichnung nennen darf. Die künstlerische Entwicklung vollzog sich rasch und konsequent, und schon zu Beginn des Jahrhunderts lassen sich Arbeiten nachweisen, die in der Frische, wie etwa ein Stück Natúr zum erstenmal richtig beobachtet wird, in der eindrucksvollen Neuheit des Gesehenen, kaum wieder erreicht worden sind. Motivlich sind der Zeichnung dabei kaum Grenzen zu setzen, und so manche Beobachtung, wie etwa die systematische Erfassung des Aktes bei Pisanello, findet sich erstmalig in der Zeichnung festgehalten. Ebenso ist das Bildnis ein neuer Inhalt und gewichtig als der künstlerische Ausdruck der Wiedergeburt des Menschen in seiner individuellen Existenz. Deshalb mag die hier gebotene Auswahl von Zeichnungen groBer Meister auch mit einem Bildnis von ganz erlesenem Rang beginnen, das in der Geschichte der Zeichnung die erste Gipfelhöhe darstellt. Es ist die Silberstiftstudie von Jan van Eyck mit dem Bildnis des Kardinals Albergati, die 1431 entstand. Das meisterlich gezeichnete Antlitz des Kardinals, der als Friedensstifter zwischen England, Frankreich und Burgund in den Norden kam, verrát eindringliche Beobachtung, die ohne Nachsicht jedes Zeichen des Alters, die kleinen Runzeln und Fáltchen festhált und die máchtige