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Gespräch mit Nationalkünstlerin MARGITA FIGULI
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Ihr bedeutsames Lebensjubiläum gab sicher Anlaß zur Rückschau auf Ihr bisheriges Schaffen. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen und worin sehen Sie vom heutigen Standpunkt aus die Wurzeln Ihrer literarischen Bestrebungen?
Es ist unbestreitbar, daß Jubiläen im Leben eines Schriftstellers allein durch die Initiative seitens der Bevverter seines Werkes Anlaß zum Nachdenken über das eigene Schaffen geben. Die Wirkung dieser Tatsache zeigte sich auch bei mir, nicht zum ersten und wahrscheinlich nicht zum letzten Mal. Oft kehre ich in die Kindheit zu den allerersten Quellen zurück, die die angeborene, schon von klein auf an in mir vorhandene flammende Sehnsucht nach schöpferischen künstlerischen Produkten nicht erlöschen ließen. Fakt ist — und das bestätigt auch mein Fall —, daß künstlerisches Talent durch die Natur selbst in das Wesen des Menschen gelegt wird, es handelt sich also um eine biologisch-psychologische Gegebenheit. Die Natur liefert jedoch nur den Keim des künftigen Talents, der notwendigerweise einen Entfaltungsprozeß durchläuft und allmählich immer höhere Entwicklungsstufen erreicht, und zwar einerseits parallel zum Maß der eigenen Strebsamkeit der interessierten Individuums, andererseits im Kontext der jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen, in denen es lebt. Denn auch Schriftsteller, die durch die Literaturwissenschaft ein und derselben künstlerischen Strömung zugeordnet werden, machen unterschiedliche Lebenserfahrungen, nehmen verschiedenartige Anregungen
auf und wählen ihre eigenen Herangehensmethoden ans Schaffen, was die Ergebnisse ihrer Tätigkeit grundlegend und bedingungslos beeinflussen muß. Und genauso spielten diese Umstände bei meinem Blick auf die Welt und bei meinen im literarischen Werk festgehaltene Aussagen über sie eine bedeutsame Rolle.
Ihre literarischen Anfänge gehörten Erzählungen und Novellen. Aus welchem Grunde wählten, Sie damals gerade dieses literarische Genre?
Als ich literarisch aktiv zu werden begann, galt es sozusagen als Gesetzmäßigkeit, daß ein neuer Schriftsteller anfangs in einer Literaturgattung wie der Novelle Zeugnis von seinem Talent ablegen mußte und erst nach Beherrschung dieses Genres auf angemessenem Niveau einen Roman in Angriff nehmen konnte. Dieses Gesetz betraf auch mich, obwohl ich mich bereits als Achtzehnjährige versucht hatte, in Form eines Romans die Schicksale einiger Menschen unseres Heimatortes, wie sie sich nach der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution darstellten, festzuhalten.
Ein weiterer Grund war die Tatsache, daß sich allgemein als ernsthaftes Problem des slowakischen künstlerischen Schaffens an der Schwelle vom dritten zum vierten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts ein quantitatives Absinken des novellistischen Schaffens bemerkbar machte.
Zur Bekräftigung dieser Tatsache möchte ich folgendes aus einem 1934 veröffentlichten Bei-