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VORWORT
Die mikroskopische Untersuchung der metallischen Werkstoffe hat im Laufe der Zeit aus qualitätstechnischen Gründen in allen legierungsherstellenden und -verarbeitenden Werken Eingang gefunden. Dadurch bedingt, sind neue Berufsrichtungen entstanden, wie Werkstoffprüfer, Metallograph, Werkstofftechniker und -ingenieur. Die Ausbildung erfolgt in der Berufs- und Fachschule, am Technikum und auf der technischen Hochschule. Daneben erhalten zahlreiche andere Berufszweige Teilausbildungen in Werkstoffkunde bzw. Metallographie, wie z. B. Maschinenbauer, Elektrotechniker, Bauingenieure, Verformer, Gießer, Metall-und Eisenhüttenleute usw.
Infolge der Heterogenität der Vorbildung und des Berufszieles der an Metallographie Interessierten ist es naturgemäß sehr schwierig, in einem Buch allen gestellten Anforderungen gerecht zu werden, zumal der Umfang eines derartigen Werkes aus preislichen Gründen beschränkt ist, andererseits das zu behandelnde Wissensgebiet in den letzten Jahrzehnten ungeheuer in die Tiefe und in die Breite gewachsen ist. Dazu kommt, daß erfahrungsgemäß der systematischen Metallographie infolge ihres etwas abstrakten Charakters der Ruf eines trockenen Wissensgebietes anhaftet.
Das vorliegende Werk ist deshalb bewußt nicht als Lehrbuch geschrieben: denn Metallographie kann m. E., ebenso wie z. B. die analytische Chemie, nicht durch Selbststudium oder durch Anhören von Vorträgen oder Vorlesungen erlernt werden, sondern unumgänglich notwendig dabei ist die Benutzung des Metall-mikroskopes, d. h. mit anderen Worten, das Sehen möglichst vieler Schliffbilder.
Der Zweck dieser Schrift wird aus diesen Gründen darin gesehen, den Leser mit einigen wichtigen metallographischen Spezialarbeitsverfahren bekannt zu machen, um daran anknüpfend in möglichst anschaulicher Form die Zustandsdiagramme der Legierungen und ihre gefügemäßige Interpretation darzustellen. Aus dieser Zielsetzung heraus erklärt sich auch die angewandte etwas ungewöhnliche Bilddarstellung in Form zusammenhängender Tafeln: zuerst das Zustandsdiagramm, dann die Gefügebilder der Legierungen bei verschiedenen Konzentrationen und evtl. Wärmebehandlungen, so daß ein Vergleich unmittelbar ohne lästiges Nachschlagen möglich ist.
Auch bei der Besprechung der einfachen Zustandsschaubilder, der Grundtypen, wurde von der sonst gebräuchlichen schematischen A-B-Darstellung abgewichen und alles zum Verständnis Erforderliche sofort an Hand von Realdiagrammen und Schliffbildern abgehandelt, um den Leser nicht durch allzuviel Theorie abzuschrecken, sondern ihm von Anfang an die praktische Bedeutung und Anwendung des Erlernten zu demonstrieren. Die in den Text eingestreuten Formeln und zahlenmäßigen Berechnungen sowie der Tabellenanhang sollen den Eindruck des Realen noch verstärken, natürlich auch zum praktischen Gebrauch dienen.