Bővebb ismertető
Zur Einführung
Unter den schmückenden Beiworten für das "Venedig des Nordens", Amsterdam im 16./17. Jahrhundert, darf das Epitheton "Metropole der frühen Neuzeit" nicht fehlen. Kein Historiker, kein Leser würde an solcher Charakterisierung Anstoß nehmen, und er fände damit umrissen, was diese Metropole zu Beginn der Neuzeit auszeichnete: pluralistische Vielfalt im ethnischen, konfessionellen, kulturellen und alltäglichen Bereich, Attraktivität für Zeitgenossen vom Westen bis zum Osten Europas, kulturelles Zentrum in breiter Fächerung, vom Buchwesen bis zur Malerei, Widersprüche im äußeren Antlitz der Stadt wie in den sozialen Verhältnissen - vom wirtschaftlichen Reichtum ganz zu schweigen1.
Wer aber möchte dem böhmischen Prag, dem polnischen Krakau, dem ungarischen Buda im 15./16. Jahrhundert Metropolencharakter zugestehen? Ganz mangelt es an solcher Charakterisierung dieser und anderer ostmitteleuropäischer Zentren im Zeitalter des Humanismus und der Renaissance freilich nicht. Da ist - allerdings meist als gängige und zugkräftige Überschrift - von Breslau als der Metropole des Südostens, von der Handelsmetropole Danzig, von der sakralen Metropole Krakau, von Prag als der Metropole Mitteleuropas im Zeitalter Karls IV. die Rede. Unter den inhaltlichen Kriterien haben zumeist auch für diesen Raum kulturelle Vielfalt und Zentralität als herausragende Funktionen von großen Siedlungsagglomerationen ein hohes Gewicht. Diese und weitere Kennzeichen von Metropolen für das östliche Mitteleuropa und für die Wende vom Mittelalter zur Neuzeit in Anspruch zu nehmen, den Typ und Begriff "Metropole" als heuristisches Prinzip in die Untersuchung von Zentren miteinzubeziehen, hat ein Projekt zum Ziel, das sich mit diesem Band vorstellt.
Am 1. Januar 1992 begann der vorläufig von der Max-Planck-Gesellschaft unterstützte Forschungsschwerpunkt "Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas" in Berlin seine Tätigkeit. Schon damals wurde in diesem Rahmen ein Arbeitsfeld konzipiert, dem man gute Chancen einräumte, die erkenntnisleitenden Aspekte der Forschungen zu Ostmitteleuropa weiter zu akzentuieren und zu präzisieren: Die Metropolen Ostmitteleuropas. Regionalkul-
1 Vgl. den Sammelband: Amsterdam 1585-1672. Morgenröte des bürgerlichen Kapitalismus. Hg. v. Bernd Wilczek unter Mitarbeit von Jos van Waterschoot. Baden-Baden 1993.