Bővebb ismertető
Die vorliegende Arbeit erscheint zu einem Zeitpunkt, da gewisse Ursachen, die zum Ruhm der modernen mexikanischen Malerei beigetragen haben, sich offensichtlich gegen sie wenden. Dennoch büßen diese Ursachen keineswegs ihre Gültigkeit ein, obwohl in der so außergewöhnlichen Malerei Mexikos Erstarrung und formale Klügelei überhandgenommen haben.
Seit meinen ersten Werk Die Wolke und die Uhr (La nube y el reloj, 1940) setze ich mich mit den Triumphen und Niederlagen der mexikanischen Malerei auseinander; meine folgenden Arbeiten drücken die Einwände und Sympathien, die ich ihren allgemeinen und besonderen Merkmalen entgegenbringe, noch klarer aus: Die mexikanische Malerei der Gegenwart (Pintura mexicana contempo-ránea, 1953) und Orozco (1959), beide herausgegeben von der Nationalen Autonomen Universität in Mexico City.
Das Buch Mexikanische Malerei von heute hat sich andere Ziele gesetzt, obwohl es mit den genannten Arbeiten manches grundlegend Gemeinsame hat: Nuance und Konzeption können nicht dieselben sein. Denn diese Studien - Variationen über das gleiche Thema - stellen in Wirklichkeit einen Spiegel der Entwicklung der mexikanischen Malerei wie auch meiner eigenen Urteile über ihre spezifischen Werte und ihre fundamentale Bedeutung dar.
Meine Arbeit Mexikanische Malerei von heute soll diese Kunst in großen Linien umreißen, das Lebensgefühl einer Epoche Mexikos und die Wandlungen dieses Lebensgefühls aufzeigen, wie es sich in Werken offenbart, die die wahre Bedeutung ihrer Zeit in sich einschließen. Es ist mein Ausdruck, es sind meine ästhetischen Überlegungen, die die großen Linien dieser vervielfachten panoramatischen Sicht lenken, wenngleich ich niemals beabsichtigt habe, eine Anthologie nach rein persönlichen Gesichtspunkten zusammenzustellen. In eine derartige Anthologie hätte ich aus der Zeit von 1920 bis heute wohl kaum mehr als sechs Maler eingereiht.
Schon in meinen ersten Studien habe ich darauf hingewiesen, daß ein Teil der mexikanischen Malerei die Bestrebungen der Primitiven und der Renaissance fortsetzte, während sich die europäische seit der Mitte des 19. Jahrhunderts von der Renaissance distanzierte, um sich immer mehr gegen sie zu wenden. Die besten Werke der mexikanischen Wandmalerei der Gegenwart sind keine Modeangelegenheit mehr, sie gehören zu den erneuerten Ewigkeitswerten der Klassik. Und weshalb sollte die Entwicklung, die wir studieren, nicht unter besonderen Bedingungen, durch einen anderen schöpferischen Willen, ein unterschiedliches Kunstverständnis, einen andersgearteten Geschmack und andere Kriterien vor sich gehen? In den dreißiger Jahren, als sie sich auf ihrem Gipfel befand, hatte die mexikanische Wandmalerei einen ungeheueren Einfluß, vor allem in den Vereinigten Staaten. Aber diese Situation erreichte ihren Höhepunkt in Übereinstimmung mit der Entwicklung Mexikos und mit der Entwicklung der Form, der Bildkonzeption selbst. Zudem war seit der mexikanischen Revolution schon mehr als ein halbes Jahrhundert vergangen.
Ich glaube, daß die europäische Malerei sich langsam in der Richtung zu einer Synthese der realistischen und der nichtgegenständlichen Kunst hinbewegt, zu einer menschlicheren Kunst, und daß unsere Malerei, die im Schaffen einiger junger Maler in einer Richtung fortschreitet, von der sich Europa distanziert, gleichfalls ihre eigene Synthese sucht. Doch menschlicher ist ein ungenauer Terminus, den zufällige Umstände bedingen und der inadäquat ist: es ist nicht nur mein Anliegen, genaue Grenzen zwischen der figurativen und der nichtgegenständlichen Kunst zu ziehen und deren Wesen in Frage zu stellen. Wesentlich ist nur eines: es handelt sich immer um Malerei.