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Einleitung
Michelangelo, Sohn des Ludovico Buonarroti, eines florentinischen Patriziers, »göttlicher« Bildhauer, Maler und Architekt, starb am Freitag, den i8. Februar 1564, in Rom, in einem Haus im Macello dei Corvi. Das Haus war mehr als bescheiden, im Erdgeschoss lagen die Werkstatt, eine Schmiede zur Herstellung von Werkzeug und die Küche, im ersten Stock die Schlafzimmer.
Fünf Tage zuvor, am Rosenmontag, hatte man den kleinen, vom Alter gebeugten, schwarz angezogenen Mann noch gesehen, wie er bei eisigem Regen, der die Stadt in trübes Licht tauchte, ohne Kopfbedeckung ziellos durch die Straßen lief Obwohl man ihn erkannte, hatte sich niemand getraut, ihn anzusprechen. Man hatte seinen Schüler Tibe-rio Calcagni verständigt, der sich um ihn kümmerte wie ein Sohn, doch selbst dieser hatte Mühe, ihn nach Hause zu bringen.Von Stillsitzen und Ausruhen wollte er nichts wissen, denn die Schmerzen, so sagte er, ließen ihm keine Ruhe. Sogar seinen Rappen wollte er noch reiten, wie immer, wenn das Wetter es erlaubte; doch als er merkte, dass er es nicht schaffte, ja dass es mit dem Reiten wohl endgültig vorbei war, geriet er in Panik. Zwar rechnete er schon seit Jahrzehnten mit dem Tod, doch nun, wo es tatsächlich ans Sterben ging, überkam ihn die Angst, die alle Menschen ereilt, selbst wenn sie wie er auf ein sehr langes Leben zurückblicken.Von seinem Schüler Daniele daVolterra umsorgt, gab er nach und nach seinen Widerstand auf, verbrachte noch zwei Tage im Sessel am Feuer und die letzten drei im Bett. Am Freitag, zur Stunde des Avemaria, starb er, bis zuletzt bei klarem Verstand, im Beisein von Tommaso Cavalieri, Diomede Leoni und Daniele daVolterra.
Der Macello dei Corvi lag zwischen den Kaiserforen und den Hängen des Quirinais. Anhand der Zeichnungen von Altertümern, die uns Reisende und Gelehrte hinterlassen haben, können wir uns heute ein recht genaues Bild davon machen, wie das Gelände vor dem Haus des Künstlers damals ausgesehen haben muss: eine verwilderte, ländliche Ge-