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MIHÁLY MUNKÁCSY
Um 1880 war Mihály Munkácsy einer der meist umworbenen Maler in Europa und Tknerika. Sein Aufstieg verlief traumhaft. Mit 26 Jahren gewann er die goldene Medaille des Pariser Salons und mehr als ein Jalirzehnt hindurch war er Gesprächsthema „der guten Gesellschaft" aller Weltstädte. Nach dem Dichter Petőfi und dem Musiker Liszt wurde nun er „der berühmte Ungar". Doch erwies sich sein Erfolg als ziemlich oberflächlich und vorübergehend. Der Impressionismus, jene Kunstrichtung, zu der er und sein Publikum in Opposition standen, trug schliesslich den Sieg davon, und Munkácsy mit seinen prunkvollen und grandiosen Gemälden geriet einstweilen in Vergessenheit. Auch in seiner Heimat wurde sein Ruhm durch die neuen Richtungen verdunkelt; doch halfen zugleich deren Vertreter, den einst in Mode stehenden Künstler als guten Maler zu entdecken, der die Entwicklung der ungarischen malerischen Ausdrucksweise entscheidend beeinflusste und dem in der Geschichte des europäischen Realismus ein bedeutender Platz gebührt.
In den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wandten sich Kunsthistoriker, vor allem Franzosen, Munkácsy wieder ohne Voreingenommenheit tmd mit Sympathie zu und schätzten seine künstlerische Bedeutung richtig ein. Man pflegt Munkácsy neuerdings zu den Malern des Courbet-Kreises zu zählen. Und tatsächlich scheint dies vieles zu begründen : die tonige Vortragsweise, das Streben nach plastischer Form, die Wirklichkeitsdarstellung auf Grund eiagehender Modellstudien, das Suchen stofflicher Effekte, das sich jedoch niemals im Kleinlichen verliert, noch das Wesentliche im Nebensächlichen untergehen lässt. Munkácsy besitzt jedoch Eigenschaften, die ihn vom Kreise Courbets trennen. Diese finden zum Teil in den spezifisch ungarischen künstlerischen Bestrebungen, Zum Teil in seiner deutschen, nämlich seiner Düsseldorfer Schulung ihre Erklärung.
Munkácsys Bedeutung als ungarischer Maler besteht in erster Reihe darin, dass er die eigenartig nationalen malerischen Bestrebungen, die zur Zeit der Romantik entstanden waren, weiterentwickelte und Begründer eines romantischen Realismus von dramatischer Kraft wurde, der in der Folge als die nationale Form der imgarischen Malerei des 19. Jahrhimderts galt. Besonders in seinen Skizzen äussert sich der tonige Kolorismus mit dynamischer Kraft. Hier nähert er sich manchmal der Kunst Datmiiers. Die Düsseldorfer Lehrjahre hatten andererseits zur Folge, dass Munkácsy, von dieser Tradition ausgehend, eine malerische Vortragsweise entwickelte, bei der psychologischen Momenten eine grosse Rolle zukam. Von der Düsseldorfer Malerei übernahm Munkácsy die typenschaffende Methode vmd rief auf diese Weise kernige und ausdrucksvolle Gestalten ins Leben. In seiner Kunst spielt das Thema eine grosse Rolle — ebenfalls ein Erbe der Malschule in der Rheinstadt, aber auch der heimatlich provinzia-len Praxis. Treffend bemerkt der ungarische Kunsthistoriker István Genthon: „Der ungarische Maler lauschte die neuartige Sprache der Düsseldorfer Komödien ab und verwendete sie, um Tragödien zu