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Missa sine nomine [antikvár]

Ernst Wiechert

 
I So ging es sich also, wenn der Tod einen zwischen den Schultern berührt hatte. Es ging sich leicht wie auf Flügeln, aber unter der Erde ging es mit, und was dort mitging unter den Füßen, war nicht leicht und wie auf Flügeln, sondern dunkel und schwer wie der Saft des Mohnes. Aber was wußte er, der in die Nacht hineinging, vom Saft des Mohnes? Er konnte stehenbleiben, am Rande der Straße, und seinen Rücken an einen der Apfelbäume lehnen, und über ihm fiel der Tau unter dem vollen Maimond schon auf die rötlichen Blütenknospen....
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I So ging es sich also, wenn der Tod einen zwischen den Schultern berührt hatte. Es ging sich leicht wie auf Flügeln, aber unter der Erde ging es mit, und was dort mitging unter den Füßen, war nicht leicht und wie auf Flügeln, sondern dunkel und schwer wie der Saft des Mohnes. Aber was wußte er, der in die Nacht hineinging, vom Saft des Mohnes? Er konnte stehenbleiben, am Rande der Straße, und seinen Rücken an einen der Apfelbäume lehnen, und über ihm fiel der Tau unter dem vollen Maimond schon auf die rötlichen Blütenknospen. Er konnte die Augen schließen, und vor den geschlossenen Augen mochte wohl das Büd der roten Mohnblüten erscheinen, am Rande gelber Kornfelder, und das Büd eines Kindes, das davorstand und mit der zaghaften Hand an die Blüten wie an einen Zauber rührte. Aber es war alles weit und unwirklich wie im Traum, der Mohn, das Feld und die Kinderhand. Es gab keine Kinderhände mehr, nirgends und niemals, und das Rot des Mohnes verwandelte sich in ein anderes Rot, das aus Flecken zusammenfloß, immer dichter, bis es den Rand des Feldes säumte, aller Felder dieser Erde, ja den Rand dieses dunklen Sternes, der lautlos in die Mainacht hineinbrauste, in die anderen Sternbilder hinein, und es war, als wichen die Sternbilder aus vor dem Stern mit dem blutigen Rand - bis an die Ränder der Milchstraße hin, um ihm Raum zu geben und ihm die eisige Unendlichkeit aufzuschließen, die hinter dem Sternbild des Herakles auf ihn wartete. Der Mann unter dem Apfelbaum öffnete die Augen und verzog die Lippen. Die Sternbüder hingen über ihm, der volle Mond und die Müchstraße. Nichts war ausgewichen vor seiner Bahn, und nichts würde jemals ausweichen. Eine Stimme begann, hinter den Feldern zu singen, aber es war die Stimme eines Betrunkenen wie die meisten Stimmen, die er an diesem Abend gehört hatte. Es war nicht die Stimme, die er zu hören erwartet hatte, jene einsame, dunkle, ferne und einmalige Stimme, die das Wort des Gerichtes über die er- 7

Termékadatok

Cím: Missa sine nomine [antikvár]
Szerző: Ernst Wiechert
Kiadó: Bertelsmann Lesering
Kötés: Fűzött keménykötés
Méret: 120 mm x 190 mm
Ernst Wiechert művei
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