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Mittelalterliche Schnitzplastik aus Thüringen [antikvár]

Helmut Scherf

 
Abb. 1 Die Eisenacher Dominikaner- oder Predigerkirche hinter der Hauptpost, wenige Minu- ten vom Marktplatz entfernt, gehört mit zu den ältesten Bauwerken der Prediger- mönche in Thüringen. In den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts für ein Nonnenkloster erbaut, übergab sie Landgraf Heinrich Raspe, der »Pfaffenkönig«, wenig später den von Erfurt kommenden Bettelmönchen unter dem Prior Elger von Honstein. Die Kirche, damals im Westen der Stadt nahe der Stadtmauer gelegen, wurde errichtet zu Ehren Johannes des Täufers und der...
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Abb. 1 Die Eisenacher Dominikaner- oder Predigerkirche hinter der Hauptpost, wenige Minu- ten vom Marktplatz entfernt, gehört mit zu den ältesten Bauwerken der Prediger- mönche in Thüringen. In den 30er Jahren des 13. Jahrhunderts für ein Nonnenkloster erbaut, übergab sie Landgraf Heinrich Raspe, der »Pfaffenkönig«, wenig später den von Erfurt kommenden Bettelmönchen unter dem Prior Elger von Honstein. Die Kirche, damals im Westen der Stadt nahe der Stadtmauer gelegen, wurde errichtet zu Ehren Johannes des Täufers und der 1231 in Marburg gestorbenen und bald darauf schon heilig gesprochenen Landgräfin Elisabeth, der Gemahlin Ludwigs IV. und Schwägerin Heinrich Raspes. Ein kleines Holzstandbild im Inneren der Kirche, vielleicht noch dem ausgehenden 13. Jahrhundert angehörend, stellt vermutlich den ehrgeizigen Land- grafen und Staufer-Gegenkönig dar. Die spätromanischen Formen der langgestreckten, nur mit einem nördlichen Seiten- Abb. 43 schiff versehenen turmlosen Kirche löste ein schlichter gotischer Stil ab. Um das Jahr 1240, zum Sonntag Misericordias Domini, erfolgte die Weihe. Die Kirchweih der Predigerbrüder, auch Prediger Ablaß genannt, wurde unter reger Anteilnahme der Eisenacher bis ins frühe 16. Jahrhundert hinein begangen. Die Kirche besaß, für Anlagen der Predigermönche ungewöhnlich, im Osten eine Krypta und über ihr den hohen Chor. Die Krypta, zu der heute vom Predigerplatz aus durch eine alte breite Tür mehrere Stufen hinunterführen, war dreischiffig und gewölbt. Ein Teil der roma- nischen Säulenbasen und -kapitelle ist erhalten. Von der Ausstattung des hohen Chors verblieben die maßvollen und sorgfältig gearbeiteten gotischen Bogennischen des sogenannten Celebrantensitzes an alter Stelle. An die Krypta schließt sich süd- östlich an eine gotische Doppelkapelle, die Marien- oder Allerheiligenkapelle (gegen 1300). Im unteren, noch gegenwärtig von der Krypta her zugänglichen Teil, ursprüng- lich zweijochig und von einem Kreuzgewölbe überdeckt, befindet sich u. a. die Grab- stätte Elgers von Honstein. Das obere, ebenfalls kreuzgewölbte zweijochige Geschoß, das Gerbhaus, auch die Schatzkammer genannt, hat eine Piscina. Das ist ein altes steinernes Becken zum Reinigen der Hände. An den einstmals von einem Kreuzgang umschlossenen Klosterhof grenzten Kapitel- haus, Dormitorium (Schlafstätte der Mönche), das nach 1500 angebaute oder erneuerte Refektorium (Speisesaal). Das spitzgiebelige Klosterhospitz im Nordwesten, ehemals außerhalb der Klausur gelegen, diente unter den Eisenacher Herzögen als Münze, daher die noch heute gebräuchliche Bezeichnung »An der Münze«. Das statt- liche Eckhaus rechts am Aufgang zum Schloßberg war die Brauerei der Dominikaner.

Termékadatok

Cím: Mittelalterliche Schnitzplastik aus Thüringen [antikvár]
Szerző: Helmut Scherf
Kiadó: Thüringer Museum
Kötés: Varrott papírkötés
Méret: 150 mm x 210 mm
Helmut Scherf művei
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