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über die Ignoranz
Natürlich weiß sie Bescheid, die Zweiunddreißigiährige, die da mit dem zuständigen Redakteur in der Funkhaus-Kantine sitzt. Sie weiß, was läuft. Sie war doch erst kürzlich auf diesem Kongreß in Mailand, und das große Symposium in Berlin hat sie auch nicht versäumt. Sie hat eine ganze Reihe von Vorschlägen mitgebracht. Wie wäre es mit einer Kritik der neo-neoklassizistischen Strömungen in der Architektur, sagen wir mal: fünfundvierzig Minuten? Außerdem interessiert sie sich brennend für die aktuellen Kontroversen unter den Pariser Post-Post-Strukturalisten. Sie habe da von wilden Auseinandersetzungen gehört. Das müßte man freilich an Ort und Stelle recherchieren. Nun, das Dritte Programm muß sich auch um solche Themen kümmern. Der Redakteur ist ja ein gutwilliger Mann. Es liegt ihm fern, die Besucherin einem tückischen Test zu unterwerfen. Also ist es reiner Zufall, daß er den Namen Vitruv erwähnt; und als sich, rein zufällig, herausstellt, daß die Autorin diesen Vitruv für einen sowjetischen Architekten hält, wechselt der Redakteur, ein stiller, höflicher Mann, rasch das Thema.
Die Besucherin kommt ietzt mit um so größerem Eifer auf ihre Pariser Pläne zu sprechen. Sie hat schon die vierte Zigarette ausgedrückt, und der Redakteur, der am Nachmittag noch ins Studio muß, hört ihr etwas geistesabwesend zu. Erst beim drittenmal versteht er, wer mit dem verstorbenen Herrn Lackahn gemeint ist, dessen verwaiste Schüler nun offenbar wie die Skorpione übereinander herfallen. Nun ja, Lackahn oder Lacan, das ist schließlich bloß eine Frage der Aussprache. Nur - kann die Berichterstatterin eigentlich Französisch? Dochdoch. Das heißt, ein