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Allgemeine Biologie
Die Stellung des Lebens im Naturganzen
Selbstbehauptung und das Streben, sein Dasein über alle Räume auszuweiten, sind die ursprünglichen Kennzeichen allen Lebens. Bereits dem einfachsten Organismus, der erst unter dem Mikroskop sichtbar wird, sind sie zu eigen. Unaufhörlich schmilzt er Stoffe seiner Umgebung in sich ein und vervielfältigt sich gleichsam durch Wachstum über die individuellen Grenzen hinaus. Dieser elementare Daseinsdrang hat in jeder organischen Gestalt eine jeweils andere Verkörperung gefunden. Aus dem Zusammentreffen aller, in die das Leben geronnen ist, erwächst der Kampf um Nahrung und Raum, der Kampf ums Dasein überhaupt. Zugleich aber führt das Ringen um Selbstbehauptung verschiedenartige Lebensformen zusammen, so daß sie zu Schicksalsgefährten werden, die unlösliche Gemeinschaften bilden. Ihre Sonderexistenz geht dann in einer höheren Lebenseinheit auf, in der - ähnlich wie in einem Organismus -jedes Glied auf alle anderen Glieder angewiesen ist und von diesen abhängig.
Eroberungszug über die Erde
Auf seinem Eroberungszug über die Erde hat das Leben das Antlitz unseres Planeten völlig verwandelt. Kalkpanzer abgestorbener Meeresorganismen z. B. bauten im Kommen und Gehen der Jahrhunderttausende ausgedehnte Inseln und hohe Gebirge auf. Pflanzen der Brackwasserzone, der Seen und Flüsse, die dort lebten und wieder dahinstarben, verwandelten durch ihre Überreste weite Wasserflächen zu Land. Reste üppiger Küsten- und Sumpfwälder, die in fernen Erdzeitaltern riesige Flächen bedeckten, sind uns in noch immer fast unerschöpflichen Kohlelagern erhalten geblieben. Stoffwechsel und Atmung aller Lebewesen haben endlich seit Urzeiten Beschaffenheit und Zusammensetzung des Bodens sowie der Atmosphäre verändert. Damit wurde den chemisch-physikalischen Abläufen und Umsetzungen, die sich heute überall vollziehen, die Richtung gewiesen.
Als einst aus einem Urmeer völlig nackte Festlandsflächen emportauchten, war ihre Besiedlung durch lebende Organismen ein
Vorstoß in eine neue Welt. Indem sie sich innerhalb von Jahrmillionen verwandelten und nach und nach von unserer gesamten Erde Besitz ergriffen, wurde ein Gleichgewicht geschaffen, in dem jede Art den ihr gemäßen Platz erhielt. Nicht nur die Lebewesen selbst, auch die Verwandlung ihrer Nahrung in arteigene Substanz, ihr Wachstum und ihre Fortpflanzung gehören zu dem, was wir unter »Leben« verstehen. Lebensprozesse können aber nur dann ablaufen, wenn ihre Träger den Einwirkungen der Umwelt geöffnet sind, d. h. reizempfänglich sind und die Fähigkeit besitzen, die auf sie zukommenden Einwirkungen der Umwelt sinngemäß zu beantworten. Diese ursprünglichsten und elementarsten Phänomene des Lebens sind das Thema einer allgemeinen Biologie.
Aufbaustoffe und Grundstrukturen des Lebens
Alle Tiere und Pflanzen bauen ihren Organismus aus Stoffverbindungen auf, die - jedenfalls heute
- nicht außerhalb lebender Körper neu entstehen. Diese Verbindungen, die man organische Stoffe nennt, finden wir zwar überall in der unbelebten Natur, doch auch sie sind nur Reste vergangenen Lebens. In mannigfacher Weise verwandelt, sind sie in beträchtlichem Umfang am geologischen Aufbau der Erdrinde beteiligt, z. B. als Humusschichten, Torf, Kohle und Erdöl, die sie aus pflanzlichen und tierischen Resten in unvorstellbar weit zurückliegenden Erdzeitaltern zu gewaltigen Lagern anhäuften.
Die vielgestaltige Welt der organischen Stoffe hat Verbindungen von Atomen des Kohlenstoffs mit Atomen des Wasserstoffs und weiterhin auch des Sauerstoffs zur Grundlage. Aus ihnen bilden sich zunächst die sogenannten Kohlenhydrate, nämlich Stärke und Zucker, und die Fette. Sie sind Betriebsstoffe und Energiequellen, die durch Verbrennung erschlossen werden.
Durch Hinzutritt von Stickstoff und geringen Mengen anderer Elemente, vor allem von Schwefel und Phosphor, entsteht Eiweiß. Es ist der eigentliche Baustoff und der wichtigste Bestandteil der »lebenden Substanz«, in der sich die Lebensprozesse abspielen. Dieses sogenannte Protoplasma enthält ferner beträchtliche Mengen Wasser, in dem Salze enthalten sind. Als Lösungs- und Transportmittel macht es jenen steten Stoffaustausch erst möglich, der den Lebensprozeß begleitet. Daher bestehen fast alle Lebewesen zum größten Teil aus Wasser, die Medusen des Meeres sogar zu 98%.
Das Protoplasma, der »Urstoff« allen Lebens, gehört zu den kompliziertesten aller Stoffgefüge und ist keine eindeutig bestimmbare
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