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JÉkademische J^lauderei.Von Prof. Paul Meyerheim.Jic gute, alte Kunstakademie! Jahre und Jahre hat sie den Berlinern die Uhr aus der Tasche gezogen und ihnen gezeigt, was die Glocke geschlagen hat. Damals war es die einzig verlässliche Normaluhr; bald hat nun auch ihre letzte Stunde geschlagen und die Akademie wird von der Erdoberfläche verschwinden. Die Schönheit des Gebäudes haben die Berliner nie sonderlich beachtet, wie ja die Baukunst sich überhaupt der Kritik des Publikums entzieht. Die alte, kastenartige, graue Akademie ist aber garnicht so liässlich. Sie ist gross, vornehm und einfach in ihren Verhältnissen, und wenn die Façade erhalten bliebe, wäre es ein Denkstein schöner, alter Berliner Baukunst. Was auch an ihrer Stelle entstehen möge ich ahne es nicht, mir aber gefällt das alte, ehrwürdige Haus besser.Die Akademie ist in anderer Beziehung höchst merkwürdig. Das umfangreiche Gebäude ist zur vorderen Hälfte der Kunst und Wissenschaft dienlich, der grössere hintere Teil war bis vor Wochen nur von Pferden bewohnt. Kunstverstand und Pferdeverstand sind nicht recht vereinbar, und ich glaube bemerkt zu haben, dass bei dem Wachsen des letzteren der erstere bedeutend abnimmt. Aber die Akademie vereinte beides. Nun soll ein Teil der Bibliothek auf dem Terrain entstehen. Die Dichter, die als solche keinen Sitz und Stimme in der Akademie der Künste und Wissenschaften haben, werden künftig wenigstens ihre Bände einziehen sehen.Meine Erinnerungen an das, was sich in der Kunstakademie begeben, reichen ziemlich weit zurück und werden noch ergänzt durch das, was mir mein Vater Eduard über den Unterricht des alten Gottfried Schadow und anderer damaliger Lehrer erzählte. So lange es Akademieen giebt, ist es immer Sitte, auf den[Nachdruck verboten.)Unterricht, auf den darin herrschenden Zopf und die Lehrer zu schimpfen, und doch haben unsere grössten Meister es nicht verschmäht, einige Studienjahre in der Anstalt zuzubringen. Jedenfalls ist wohl noch kein Talent durch akademischen Unterricht geknechtet und unterdrückt worden. Mein Vater erzählte mir von einer eigenartigen, lehrreichen Unterrichtsweise des alten Schadow. Er, der grösste Kenner der menschlichen Körperverhältnisse, dessen Werk Der Polyklet" eine wahre Bibel für jeden Bildhauer und Maler ist, zeichnete in der Klasse auf einer grossen, schwarzen Tafel nackte menschliche Figuren in irgend einer Thätigkeit; Männer, welche Lasten trugen, Taue zogen, gegen Balken drückten, Schlittschuh liefen u. s. w. Er machte dabei aufmerksam, wie die verschiedenen Körperteile, Knochen und Muskeln, sich bei diesen Thätigkeiten verschoben.Ich selbst kam in die Akademie, nachdem ich die Sekunda der Realschule verlassen hatte, in die Klasse des alten Ilolbein. Die heutige Kunstschule in der Klosterstrasse war damals, als vorbereitende Zeichenschule, noch in der Akademie untergebracht. In derselben wurde nur nach Vorlagen gezeichnet. Als ich zuerst die Vorbereitungsklasse betrat, hielt ich zunächst einen der älteren Schüler für den Professor Holbein, was eine ziemliche Fröhlichkeit unter den Mitschülern verbreitete, lernte aber bald den würdigen alten Herrn mit den kolossalen schwarzen Augenbrauen, dem altvaterischen Rock, dem kahlen Kinn, aus grossen Vatermördern hervorspringend, kennen. Mein Freund, der verstorbene Professor Gustav Richter, erzählte mir, dass er, wenn ein Porträt durchaus nicht gelingen wollte und er sich entsetzlich mit den Gesichtsteilen quälte, nur an den alten Ilolbein zu denken brauchte was der wohl sagen würde - und dann ging die Arbeit wieder besser. Bilder Holbeinsi