Bővebb ismertető
DAS hotel riviera liegt in der sankt-jacobs-strasse.
I Die Sankt-Jakobs-Straße ist eine elende Gasse. Das Riviera-Hotel ist ein schäbiges Hotel. Alles, was wahr ist.
In der Sankt-Jakobs-Straße gibt es seltsam geformte Häuser. Das eine krümmt sich, als wollte es niesen und wäre bei diesem Geschäft vom Schlag getroffen worden, das andere lehnt sich wie ein alter Bettler an schwarze Balken, um nicht umzusinken.
Dieser Teil der Sankt-Jakobs-Straße ist voller Lebensmittelgeschäfte, Prix-Fixe-Läden und Garküchen, und die schmalen Gehsteige neben den Häusern sind mit weggeworfenen Salatblättern, Bananenschalen, faulem Obst und Zeitungsblättern bedeckt. Arabische Straßen müssen so schmierig und gerüchedurchtränkt sein. Kaum vorstellbar, daß der strahlende Boulevard Saint-Michel nur einige Schritte entfernt ist und weiter oben, es ist nur ein Katzensprung, das Pantheon steht, wo die zur Unsterblichkeit Ernannten ihren ewigen Schlaf tun.
Das Tor des Hotel Riviera mündet in einen langen, fensterlosen, dunklen Korridor, der an Katakomben erinnert. An seinem Ende liegen die morsche Holztreppe, die zu den Stockwerken führt, und das Hotelbüro. Durch dessen schmutziges Fenster mustert jeden Ankömmling ein spähend-forschender Blick. Der Blick des «Fliegen-äugigen».
Der Hotelbesitzer, schmierig und kahlköpfig im muffigen und spärlich erleuchteten Büro sitzend, wirkt nämlich mit seinen hervorstehenden Augen wie eine große Fliege. Eine Fiebervision, dieser Flie-genäugige!
Im Hotel Riviera gibt es vier Stockwerke und jedes hat seinen eigenen Geruch. Ich glaube, wir tun besser daran, uns diesen Gerüchen zuzuwenden, als die Bewohner zu charakterisieren. Die Bewohner zu charakterisieren hätte wenig Sinn; einerseits haben sie keinen Charakter, andrerseits werden wir ihnen sehr selten begegnen, während die Gerüche in den Etagen von Dauer sind und das Riviera-Hotel besser kennzeichnen.
Der erste Stock riecht nach Käse. Ursprung des Geruchs ist die Witwe eines gottseligen Käsehändlers in tiefer Trauer. Der zweite Stock riecht nach Fischen. Das ist überraschend, denn es wohnen keine Fischer im Hotel und der nächste Meeresstrand ist drei Bahnstunden weit. Der dritte Stod< riecht hauptsächlich nach Mäusen. Quelle des Mäusegeruchs ist eine zweiundachtzigjährige alte Frau, die eine erstaunliche Tüchtigkeit bewies, als sie den ursprünglich vorhandenen Sauerkrautgeruch schon am zweiten Tag nach ihrem Einzug so gut wie vollständig beseitigte. Die Zweiundachtzigjährige geht selten aus, aber wenn sie einmal das Haus verläßt, genügt ein leichtes Schnuppern in die Luft, um uns zu informieren, wohin sie sich gewendet hat. Die Wege der. alten Frau begleiten nämlich, ähnlich wie die großen Ozeandampfer auf stillen Gewässern, sogenannte Geruchswellen, die für Sekunden sogar sichtbar werden. — Die Eigentümlichkeit der vierten Etage ist die Geruchsmischung: der Geruch-Cocktail. Es gibt Tage, an welchen es hier nach gebranntem Kalk riecht mit einer leichten
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