Bővebb ismertető
Moralwissenschaft, die nicht in dauerndem Kontakt mit der Wirklichkeit bleibt, gerát in die Gefahr, das einmal Erkanntc und Anerkannte für immcr zu legali-sieren und sich damit der Dynamik des menschliehen Lebens zu verschliefien. Sie kanalisiert das menschliche Verhalten in sogenannte ewig gültige Gesetze, die über den Menschen stehen und von denen das einzelne Sollen als Fali ab-geleitet wird; sie stagniert in abgeschlossenen und statischen Normen, die keine geschichtlichen Prozesse zulassen; und sie fordert die rigorose Erfüllung von auf-gegebenen Pflichten, auch wenn diese der situativen Verantwortung des Menschen gar nicht mehr entsprechen.
Nicht selten wird der katholischen Moraltheologie vorgeworfen, sie sei eine solche Gebots-, Grenz- und Pflichtmoral, die an der Wirklichkeit vorbeigehe. Heute sei diese Morál mit den in Kirche und Welt aufgebrochenen Wandlungen in eine Sackgasse geraten, aus der es für sie keinen Ausweg mehr gebe, wenn sie nicht ihre ganze Struktur und Denkweise verándere.
Es mag dahingestellt bleiben, wieweit diese Vorwiiríe und Prognosen Richtiges enthalten. Tatsache ist jedenfalls, daG das Wort von der Krise und dem Ruf nach Erneuerung der Morál heute mindestens so weit verbreitet ist wie das Wort von der Krise der Gottes- und Glaubenserfahrung und von der Krise des Glaubens überhaupt. Das gleichzeitige Auftreten der Krise des Glaubens und der christlichen Lebensgestaltung, der Glaubenswissenschaft und der Moralwissenschaft ist wohl kaum überraschend, denn Glaube und Leben aus dem Glauben, Lehre vom Glauben und Lehre vom sittlichen Leben stehen in einem so engen Zusammenhang, dafí eine Krise der Orthodoxie auch immer eine Krise der Orthopraxie zur Folge hat und daG eine Krise der Orthopraxie auch wie-derum auf die Orthodoxie zurückwirkt. Das hat bereits die mittelalterliche Theo-logie erkannt, als sie Dogmatik und Moraltheologie in einer einzigen groBen Synthese zusammenfaíke und den dauernden dialektischen Prozefí von Glaube und Leben zum Bewuíksein brachte. Es blieb der Neuzeit vorbehalten, die Moraltheologie von der Dogmatik abzuspalten und sie so sehr vom Glauben und von der Glaubenslehre zu trennen, daB sie mehr und mehr zur kasuistischen Morál und zur Naturrechtsethik wurde. Erst in neuester Zeit fand eine stárkere Rückkehr zu den biblischen Quellen und zu den Glaubensgrundlagen statt, so dafi die notwendig gewordene negatíve Krise sich allmáhlich zu einem positiven Umwandlungsprozeft entwickelt.
Es ist daher wohl kaum ein Zufall, wenn das Zweite Vatikanische Konzil im Dekret über die Priesterausbildung erklárt: »Besondere Sorge verwende man auf die Vervollkommnung der Moraltheologie, die, reicher genáhrt aus der Lehre der Sdirift, in wissenschaftlicher Darlegung die Erhabenheit der Berufung der