Bővebb ismertető
Einleitung
Briefe zu lesen ist eine Kunst, besonders in einer Zeit, da die nicht geringere Kunst, Briefe zu schreiben, verloren-gegangen ist. In der ganzen ungeheuren Literatur dieser mehr oder minder vertraulichen Mitteilungen hat es uns niemand so schwer gemacht, die eigentlichen Gedanken des Schreibenden zu erfassen, wie Wolfgang Amadeus Mozart; vielleicht nur noch Napoleon stellt uns vor so viele Rätsel. Aber bei dem großen Manne der Tat wissen wir von vornherein, daß er Gedanken verbergen will, daß er sich mit einer unheimlichen Kraft der Einfühlung auf die seelischen Gegebenheiten seines Gegenübers einstellt, daß er bewußt lügt, daß er nicht ausspricht, was der andere heraushören soll, ja bisweilen läßt er den Empfänger nicht im Zweifel, daß er die Wahrheit verhehlt, und verwirrt ihn eben dadurch.
Bei einem Genie wie Mozart nun versehen wir uns derartig labyrinthischer Verschnörkelungen nicht im mindesten. Daran ist vor allem das Bild schuld, das über ein Jahrhundert uns von dem ,,göttlichen Schlingel", von dem ewig heiteren Liebling der Olympischen, und wie die törichten Bezeichnungen alle lauten mögen, von Gelehrten und Laien gemalt wurde. Man kann ruhig behaupten, daß Mozarts Gestalt von dem ganzen neunzehnten Jahrhundert kläglich verkannt wurde. Das ist um so schmerzlicher und gefährlicher, als eine Anzahl sehr bedeutender Köpfe sich um die Erkenntnis Mozarts bemühte, wie etwa Otto Jahn, der immer noch ein Meister der Biographie ist, wie etwa Justi oder Droysen auf anderen Gebieten. Aber jener unselige Hang, unsere Großen auf ein Postament zu setzen, läßt ihre