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Editorial
Mit schönen Perspektiven nimmt München immer wieder für sich ein - dort, wo vom Hofgarten aus der Blick auf die Türme der Theatinerkirche fällt, die im Schein der Abendsonne goldgelb leuchten, wo über der Kaimauer an der Isar ein wahrer Badetempel seine Pracht entfaltet, wo sich vom begrünten Schuttberg der Stadt die futuristische Zeltdachlandschaft des Olympiageländes einsehen läßt, wo sich Könige ihre eigenen Straßen bauen ließen.
Ein vielzitierter sympathischer Grundsatz der Münchner heißt: „Leben und leben lassen". Das drückt sich schon darin aus, daß sich Einheimische und Zugewanderte, die „Zuag'roasten", bunt mischen und einen Cocktail der verschiedensten Temperamente abgeben: die wasserstoffblonde Schönheit, die sich in der „In"-Diskothek die Nacht um die Ohren schlägt, das Mutterl, das bei Pater Rupert Mayer die Kerzen anzündet, der Grünwalder Yuppie-Jungunternehmer oder der Urbayer in Lederhosen, den garantiert nicht das Fremdenverkehrsamt bestellt hat.
Spezifische Münchner Lebenslust äußert sich im Festefeiem. Man sagt allerdings, daß das Ruhebedürfnis der Münchner eine ihrer vornehmsten Eigenschaften sei, weshalb die Biergärten zwar voll sind, aber nach zehn Uhr abends am besten keine Leute mehr drinsitzen sollen. Gefeiert wird aber trotzdem, ob traditionell oder ein bißchen avantgardistisch, ob Opernfestspiele, Oktoberfest oder Filmfest; am nächsten Tag wissen die Klatschkolumnen garantiert davon zu berichten, und jeder weiß über jeden Bescheid. So zeigt sich wieder einmal, daß der Millionen-Metropole die Anonymität einer Großstadt wie London oder Paris fehlt aber gerade das macht ja Münchens Charme und Flair aus.
Auf der Wies'n schmeckt die Maß am besten
Freiluftcafé am Odeor}splatz
Die Autorin
Karin Baedeker wurde 1958 in München geboren, studierte Kunstgeschichte und arbeitet seitdem im Tourismus: zunächst als Kunst- und Stadtführerin, seit 1992 beim Münchner Fremdenverkehrsamt.
Polyglott 7