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VORWORT DES VERLEGERS
VOR GENAU FÜNFZIG JAHREN veröffentlichte der Gründer und Leiter des Atlantis-Verlags, Dr. Martin Hürlimann, in seiner Zeitschrift «Atlantis» einen Beitrag von Dr. Peter Wackernagel über die Musikhandschriften der Staatsbibliothek Berlin. Dafür hatte er einige besonders wertvolle Stücke aus den unerhörten Reichtümern dieser Sammlung photographiert.
Hürhmann war nicht nur einer der profiliertesten Verleger unserer Zeit, sondern war auch ein leidenschaftlicher Musikliebhaber, schrieb selbst gerne und macht sich als Photograph und Gestalter denkwürdiger Bildbände einen Namen. Die Musikbuch-Abteilung seines Verlags war sein Lieblingskind. 1934 erschien zum ersten Mal das von ihm zusammen mit Fred Hamel herausgegebene «Atlantisbuch der Musik», das schheßlich, bis 1959, neun Auflagen und auch noch eine Taschenbuch-Ausgabe erlebte. Immer wieder hat Martin Hürlimann Musikbücher ediert, deren Herausgeber er selbst war, so in den 40er Jahren Briefe und Gespräche von Beethoven und einen Band «Besuch bei Beethoven», später im Manesse-Verlag je ein Bändchen über die Walzer-Dynastie Strauß, Richard Wagner und Carl Maria von Weber. In seinem Atlantis-Verlag ließ er eine Reihe glänzender Musikschriftsteller zu Worte kommen wie Walter Georgii, Bernhard Paumgartner, Walter Riezler, Ernst Roth, Walter Salmen, Willi Schuh, Heinrich Strobel, Hans Heinz Stuckenschmidt, Curt von We-sternhagen, Eric Walter White. Zu seinen Autoren gehörten aber auch namhafte Komponisten und Musiker wie Richard Strauss, Strawinsky, Hindemith, Honegger, Krenek, Furtwängler, Klemperer, Fritz Busch, Carl Flesch, Cortot, Joseph Szigeti. Das Thema «Musikerhandschriften» faszinierte Martin Hürhmann so sehr, daß er 1936 die «Atlantis»-Bildfolge zu einem Tafelwerk mit 96 Abbildungen erweiterte, dessen texthche Bearbeitung der damalige Leiter der Musikabteilung der Preußischen Staatsbibliothek, Prof Dr. Georg Schünemann, besorgte. 1937 und 1942 erschienen Nachdrucke davon. «Der Krieg hinderte uns daran, der dritten Auflage auch noch eine vierte folgen zu lassen. Vorlagen und Archive gingen verloren, und nur einige unserer Originalaufnahmen, darunter auch solche, die bei Schünemann nicht abgebildet waren, konnten wir beizeiten in die Schweiz retten», schrieb Hürlimann später. So entschloß er sich zu einer ganz neuen Publikation, zu einer zweibändigen Ausgabe, deren textliche Betreuung des ersten Bandes, von Palestrina bis Beethoven, Prof Dr. Walter Gerstenberg von der Universität Tübingen übernahm. Den zweiten Band, von Schubert bis Strawinsky, betreute Hürhmann selbst und schrieb auch die Texte dazu. Die beiden Bände erschienen i960 und 1961.