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Am 7. Dezember 1963 sind Herr Dr. Oskar Buchmann, Geschäftsführer unserer Gesellschaft und Leiter der Arbeits- und Forschungsstelle in Lüneburg, und Herr Oberverwaltungsgerichtsrat Heimut Müller-Tochtermann, Vorsitzer des Zweiges Lüneburg und Mitglied des Gesamtvorstandes, auf einer Dienstreise mit dem Auto tödlich verunglückt. Das schreckliche Ereignis hat der Gesellschaft für deutsche Sprache zwei ihrer fähigsten und tatkräftigsten Mitarbeiter entrissen.
Seit seinen Studienjahren in Bonn, als Mitglied und später als Leiter des Humboldt-Kreises an der Universität, hatte Dr. Buchmann seine besondere Aufmerksamkeit den Fragen des Verhältnisses von Sprache und Leben zugewandt. Das geht auch aus dem Thema seiner Doktorarbeit hervor: Zum Problem der Sprachriditigkeit (1951 bei Professor Dr. Leo Weisgerber). Die Uberzeugung, daß es heute dringlicher denn je sei, Sprachwissenschaft und Sprachpraxis miteinander zu verbinden, führte Dr. Buchmann 1953 auch zu unserer Gesellschaft, die er als die wirkungsvollste Einrichtung zur Lösung der vielfältigen Sprachprobleme im täglichen Leben erkannte. Mit jugendlichem Schwung, der alle in seiner Umgebung mitriß, stellte er seine ganze Kraft in den Dienst an der Sprache, den Blick fest auf das eine große Ziel gerichtet: die Gesellschaft für. deutsche Sprache zum Mittelpunkt der Sprachpflege in Deutschland werden zu lassen.
»Verbindung von Theorie und Praxis, von Wissenschaft und Leben« stand als Leitwort über Dr. Buchmanns Wirken. Diese Grundhaltung verband sich aufs glücklichste mit dem Bestreben der Gesellschaft, Sprachforschung und Sprachpflege in ihrer Arbeit zu vereinen. Deutlichster Ausdruck dafür ist der erfolgreiche Aufbau erst der Arbeitsund Forschungsstelle und dann des Instituts für Gegenwartssprache. Aus solchem Geist entstanden auch die Zeitschrift Der Sprachdienst und die Sprachkurse für die Wirtschaft, und in diesem Sinne hat Dr. Buchmann unablässig gewirkt: in der täglichen Arbeit, auf seinen Vortragsreisen im In- und Ausland, als hochgeschätzter Mitarbeiter im Arbeitskreis für Rechtschreibregelung, im Ständigen Ausschuß für die Rechtschreibung geografischer Namen und vor allem im Deutschen Normenausschuß. Seine hochfliegenden Pläne mögen oft als allzu kühn erschienen sein, aber sie sind dennoch keine Luftschlösser geblieben - nicht zuletzt dank seiner Beschlagenheit auch in wirtschaftlichen, rechtlichen, verwaltungstechnischen und organisatorischen Fragen. Das Vertrauen, das die Gesellschaft heute in der Öffentlichkeit genießt, spricht deutlich genug dafür, daß die Bemühungen Dr. Buchmanns die Gesellschaft bei der Erfüllung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe in der Sprachgemeinschaft aufs beste gefördert haben.
Herr Müller-Tochtermann hat trotz seiner großen Belastung im Beruf stets regen tätigen Anteil an der Arbeit der Gesellschaft genommen. Uber acht Jahre lang hat er den Zweig Lüneburg geleitet. So wie er Herrn Dr. Buchmann als Freund und Berater zur Seite stand, hat er auch den Gesamtvorstand mit seinem sachkundigen und besonnenen Rat zu jeder Zeit unterstützt. Auf der letzten Sitzung des Gesamtvorstandes hatte Herr Müller-Tochtermann noch den Vorsitz des neugegründeten Planungsaus-schusses übernommen, der über die wichtigsten Schritte zur weiteren Entwicklung der Gesellschaft beraten soll. Der Tod hat ihn mitten aus diesem Wirken herausgerissen.
Die Namen dieser beiden Männer werden für immer mit der Geschichte der Gesellschaft für deutsche Sprache verbunden bleiben. Mit Trauer, aber zugleich auch mit Dankbarkeit gedenken wir der langen Jahre fruchtbarer gemeinsamer Arbeit.
Professor Dr.-Ing. Walter Hensen, Vorsitzer