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Vorwort
Vor allem zwei Szenen sind mir in Erinnerung von den beiden deutschpolnischen Kolloquien, die hier dokumentiert werden. Einmal der warme Herbststag im Seebad Zoppot/Sopot bei Danzig, die frische Brise auf der breiten Seebrücke, über die einige ältere Leute flanieren, gegen Abend erst kommt die Jugend, viele junge Leute, die Jachend und lärmend zwischen der Fußgängerzone und der Seebrücke sich ergehen, in Grüppchen plaudernd zusammenstehen, frei und unbeschwert. Zum andern wiederum warme Herbsttage auf dem alten Gut Külz/Kulice bei Stettin und der Ausflug nach HofOTrz^sacz, wieder ein schöner Sonnentag an der bewegten Ostsee, die jungen Leute wandern fröhlich den Strand entlang, Ger-manistik-Studenten aus Stettin und Polonistik-Studenten aus Greifswald, die sich bei dieser Tagung der Hans Werner Richter-Stiftung begegneten.
Die jungen Leute aus beiden Ländern waren frei und offen, sie schienen nicht belastet durch die Vergangenheit, die in den Kolloquien zur Sprache kam. Und das macht Hoffnung: die Freiheit, die nicht mit Sorglosigkeit verwechselt werden darf, und die Offenheit, die ein neues Europa ermöglichen: eines ohne ideologische Feindschaften. Ein Europa des Miteinander und nicht des Gegeneinander.
Die Offenheit, die für die Zukunft hoffen lässt, macht auch die Gespräche über die Vergangenheit möglich: rückhaltlose Gespräche. Das, was geschehen ist, kann nunmehr frei erörtert werden, und es muss erörtert werden, damit sich nicht wiederholt, was im 20. Jahrhundert Leid und Not in Europa brachte. Deshalb ist die historische Perspektive so bedeutsam: sie öffnet uns den Blick in die Tiefe der Vergangenheit, die nun ohne ideologische Scheuklappen gesehen werden kann.
„Die Zukunft wird nämlich entschieden im Streit um die Vergangenheit", sagte einmal Wolf Biermann. Das ist wohl insoweit richtig, als in der Beurteilung der Vergangenheit die Werte erprobt werden, die uns ein Leben in der Gegenwart und in der Zukunft gestatten. Deshalb ist die Beurteilung des Nationalismus und des Rassismus des 19. und des 20. Jahrhunderts so wichtig und die des Kommunismus.
Die beiden Kolloquien ergänzen sich in dieser Hinsicht aufs beste: das der Guardini Stiftung vom Herbst 1998 in Zoppot, das der Hans Werner Richter-Stiftung vom Herbst 1999 in Külz; beide wurden denn auch von der Robert Bosch Stiftung Stuttgart unterstützt, die seit Jahren die Verständigung zwischen Deutschland und Polen und nicht nur diese fördert. Das Kolloquium in Zoppot, eines von mehreren deutsch-polnischen Tagungen der Guardini Stiftung, stellte sich diesmal den nationalen und rassischen Vorurteilen, die im 19. Jahrhundert entstanden und im 20. Jahhun-dert ihre verhängnisvolle Wirkung zeigten. Der schlesische Schriftsteller Gustav Freytag, seinerzeit eine Berühmtheit, fasst in seinem Werk wie
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