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Einleitung13Seit die Menschen Fragen haben, suchen sie nach einer, nach der alles erklärenden Antwort. Wie entstand unsere Welt? Wer schuf die Menschen, die Tiere, überhaupt das Leben? Die moderne Naturwissenschaft hat mittlerweile viele Antworten gefunden. Und doch bleibt das Geheimnis der Schöpfung, dieser Übergang vom Chaos zum Kosmos oder, um mit Begriffen der Theologie zu sprechen, vom Nichtoffenbarten zum Offenbarten, ein sorgsam gehütetes Rätsel.Auch wenn Naturwissenschaft und Religion scheinbar dieselben Fragen stellen, so tun sie dies doch mit ganz unterschiedlichen Intentionen. Die Religion begibt sich nicht auf die Spur nach exakten Beweisen, sie muß keine Theorien bestätigen können und keine Thesen belegen. Die Religion fragt nach dem Glauben. Es geht um den Dialog mit Gott, und das ist - wie der jüdische Philosoph Martin Buber es genannt hat - eine Konfrontation mit dem ewigen Du.Die Schöpfung läßt sich nicht naturwissenschaftlich erforschen, selbst wenn der Urknall heute im Labor nachgestellt werden könnte. Martin Luther, dessen pralles Leben für Anekdoten immer gut ist, soll einmal gefragt worden sein, was Gott eigentlich vor der Schöpfung getan habe. Luthers Antwort: Er saß in seinem Paradiesgärtlein und schnitzte Ruten für Leute, die duname Fragen stellen. Religion muß man glauben, dasselbe gilt für die Mythen, denn sie sind nichts anderes als Zeugnisse eines tiefreligiösen Suchens nach dem Sinn. Der Mythos beschreibt den Einbruch des Sakralen in die Welt. Er berichtet ein Ursprungsgeschehen, er erzählt, wie etwas zu sein begonnen hat. Für alle Völker, deren Religion sich in einer weitverzweigten Mythologie manifestiert hat, ist der Mythos die einzig gültige Offenbarung ihrer Welt. In vielen Stämmen der primitiven" Kulturen gehört die Kenntnis der Mythen zum Initiationsritual. Den jungen Männern werden die Mythen berichtet, sie werden dadurch zum wichtigen Teil der Tradition.Indem ein Mythos erzählt wird, beginnt etwas von vorn. Nur so ist es beispielsweise zu verstehen, daß die Babylonier ihr Schöpfungsepos Enuma elish" zu jedem Neujahrsfest rezitierten. Durch dieses heilige Ritual läuteten sie das Jahr und auch die Schöpfung immer wieder neu ein. Die Zeit bekommt so die Form eines Kreises. Nichts ist jemals unumstößlich zu Ende, Vergangen-