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Vor dem Gewitter
»Ich kann es einfach nicht glauben!« rief Maria Flores. Sie hielt den Artikel in der Hand, den einer der Reporter vor Stunden abgegeben hatte. Sie hatte ihn redigiert und für die morgige Ausgabe vorbereitet; nun war er mit dem Vermerk »Zurückgestellt« vom Chefredakteur zurückgekommen. Der Grünstiftvermerk quer über das eng beschriebene Blatt beförderte die haarsträubende Geschichte, die der Reporter da ausgegraben hatte, ins Archiv: ZU WELCHEM ZWECK FOTOGRAFIERT HERR YAMAMOTO BATAAN AUS DER LUFT?
Maria Flores war nicht nur ein außergewöhnlich gutaussehendes Mädchen, sie gab auch nicht so schnell nach. Wenig später stand sie dem Chefredakteur der »Manila Times« gegenüber und verlangte Aufschluß darüber, weshalb die Zeitung nicht von den seltsamen Unternehmungen des Japaners Yamamoto berichten sollte, der in Manila offiziell ein Fotostudio betrieb, sich jedoch viel mehr für die militärischen Anlagen auf den Philippinen interessierte als für die Herstellung von Porträts und Hochzeitsbildern.
Der Chefredakteur, ein weißhaariger, bebrillter Mann von großer Gelassenheit, wich zunächst aus. Es sei nicht angebracht, in der ohnehin gespannten außenpolitischen Situation antijapanische Stimmungen zu schüren.
»Das sehe ich nicht ein.« Maria Flores warf mit einer energischen Kopfbewegung das lange schwarze Haar zurück. Ihre Augen funkelten. »Der Mann ist ein Spion. Auch Sie wissen das längst. Wir haben Berichte aus Davao, wo er Leute als Nachrichtensammler angeworben hat. Wochenlang hat er den Hafen fotografiert, als sei das eine Gebirgslandschaft. Jetzt mietet er ein Sportflugzeug, läßt sich eine Stunde über Bataan herumfliegen und betätigt dabei nach Aussagen des Piloten achtzigmal den Auslöser seiner Leica! Wer schützt ihn? Sie?«
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