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NACHWORT
VON
HERBERT KÜHN
Der Wert und die Bedeutung dieses Buches liegt darin, dass in. ihm zum ersten Mal das kosmische Weltbüd des vorgeschichtlichen Menschen in einer Ganzheit aufgebaut wird, die wir bisher nicht kannten, und dass aus diesem Weltbild, vom Mythos abgeleitet, die Wege gewiesen werden zu einer Deutung vorgeschichtlicher ornamentaler Gestaltung. Es ist dabei von grösstem Wert, dass nicht ein Merkmal gesehen, nicht ein Motiv verfolgt, nicht eine Ausdrucksform gefasst wird, sondern dass alle Seiten dieses sonderbaren Gebildes erschaut und in ihrer Totalität dargestellt werden. Denn das ist das Entscheidende, ein Faktum, schon von Levy-Brühl erkannt: diese Welt ist nicht zerlegbar, sie ist nicht atomistisch, nicht partikular: sie ist eine Einheit und nur als Einheit kann sie gefasst werden. Löst man einen Stein heraus, so zerfäUt sie, nimmt man eine Seite, so löst sich das ganze Gefüge. Unsere Art zu denken aber ist die analytische, wir zergliedern, zerlegen, ordnen ein, wir zerschneiden ein Ganzes, um es zu sehen. Bergson und die Schule der Phänomenologie erkannten deuthch diesen Wesenszug imserer logisch-rationalen Sphäre, sie setzten die Intuition, die Wesensschau an die Stelle der logischen Analyse, sie verliessen damit die Ebene, aus der unser Denken erwuchs und stiegen zu den Urformen des Denkens hinab, zu der alogischen Schicht, die, — ursprünglich die alleinige Möglichkeit des Denkens überhaupt, — später verschüttet wurde. Diese alogische Ebene aber, immer erkennbar durch die ganze Geschichte der Philosophie hindurch, deuthch bei Anaximander, bei Pythagoras, bei Heraküt und vor allem bei Plato, erkennbar auch bei den NominaUsten bei Eckhart und Suso, sie ruht auf ältester mythischer Basis, auf dem Urerleben des Menschen, der das kosmische Geschehen nicht rational, sondern mythisch begreift. Cassirer hat diese Welt in philosophischem Sinn zu fassen gesucht, eine Welt, uns schwer begreiflich und fremd, aber lebendig in ihrer Realität und in ihrer Tendenz, die WirMichkeit zu schauen in ihrem anderen, eigenen Winkel, der nicht mehr der unsere ist.