Bővebb ismertető
Einleitung
In psychiatrischen Kreisen kursiert eine Anekdote: Ein Psychiater berührte eine verzweifelte Patientin in der Sprechstunde physisch Sie beging tags darauf Selbstmord. Das nächste Mal unterliess derselbe Psychiater die Berührung einer anderen verzweifelten Parien-tin, und zwar aufgrund seiner schlechten Erfahrung mit der erste-ren. Auch diese Patientin beging tags darauf Selbstmord. Ebenfalls sagt man: Der eine Therapeut heilt mit seinem Wissen, der andere mit seiner Ahnungslosigkeit. Das Fazit: Mit zuviel Nähe kann man genauso schlimme Katastrophen auslösen wie mit zuviel Distanz. Keiner kann sich der Richtigkeit seiner Handlungsweise absolut gewiss sein. Der Psychotherapeut am wenigsten.
Sind körperliche Nähe, Zärtlichkeit und Sex in der Psychotherapie wünschbar, erlaubt, toleriert oder verboten? Ist die Berührung eines Patienten, ein heilender Akt oder ein Kunstfehler?
Das vorliegende Buch will diesen Fragen nachgehen. «Es gibt, so will es scheinen, keine wertneutrale Position, von der aus der Sachverhalt objektiv darzustellen wäre, weil dieser selbst eine wertneutrale Betrachtung nicht zulässt» (I.VOGT). Dieses Thema gak in beruflichen Kreisen bis vor kurzem als Tabu. Auf Kongressen, Symposien und in den Fachzeitschriften waren bis Ende der 8oer Jahre derartige Publikationen äusserst rar. Nicht als ob das Problem der Nähe und Distanz in der Psychotherapie im früheren Schrifttum sporadisch nicht angesprochen worden wäre. Wie bekannt, finden wir bereits bei den Pionieren der Psychoanalyse, also bei S.FREUD, e.G.JUNG, S.FERENCZI, W.REICH und später bei J. CREMERIUS und anderen, Hinweise auf das Phänomen «sexueller Missbrauch». Seit geraumer Zeit wurden zwar Fälle, auch skandalöse, sporadisch bekannt, das Grundproblem war dennoch bis vor kurzem in Fachkreisen «kein Thema».
Eine eigentliche Massenkampagne gegen die «grenzüberschreitenden Praktiken» in der Psychotherapie brach erst in den 8oer Jah-