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Mein Bekenntnis zur Kurzgeschichte
Anfang der fünfziger Jahre schickte ich von meinem Studienort Champaign/ Urbana im amerikanischen Mittelwesten zwei Kurzgeschichten an die »Frankfurter Hefte«: »Schuhputzstand in Manhattan« und »Kleine Patsy«. Eugen Kogon schrieb mir einen unerwartet langen Brief Die beiden Texte wurden zum Druck angenommen. Kogon bat lediglich um die Erlaubnis, in einer Geschichte ein >und< streichen und ein Komma einsetzen zu dürfen. Ich habe in späteren Jahren diesen wohltuenden Umgang Eugen Kogons mit der Arbeit eines jungen Schriftstellers manchen anderen Redakteuren als Beispiel vorhalten können.
Diese Veröffentlichung meiner Kurzgeschichten in den »Frankfurter Heften« war für mich ein Erfolg, aber kein Zufall. Jahrelange >Fingerübungen< auf dem Gebiet der Kurzgeschichte waren vorausgegangen. Als 16jähriger hatte ich diese literarische Form zum erstenmal kennengelernt: bei den amerikanischen Soldaten, die mich gefangennahmen. Sie hatten Zeitschriften und Taschenbücher mit Stories von O'Henry, Hemingway, Saroyan und Caldwell dabei. Mein Lesehunger drückte sich offenbar noch leidenschaftlicher aus als meine Sehnsucht nach Brot; jedenfalls vergaßen meine Bewacher von Zeit zu Zeit das Fraternisierungsverbot und überließen mir ihre Lektüre. Mich begeisterte die Ökonomie der Kurzgeschichte, die Einfachheit, die Klarheit der Sprache. Mich faszinierte der Anspruch, dem Leser nur zwei Daten zu überlassen in der Zuversicht, daß er genug Kreativität besitzt, um selbst zum Datum drei bis neun zu kommen.
Heute bin ich sicher, daß mein spontaner AufgrifT der Kurzgeschichte auch mit der Ausdrucksweise der Menschen zu tun hat, unter denen ich aufgewachsen bin: den Menschen des Ruhrgebiets. In dieser Landschaft herrscht im sprachlichen Umgang das Knappe vor, eine anziehende Sprödigkeit des Ausdrucks. Der Gesprächspartner, der Kumpel, bekommt nur weniges mitgeteilt und muß sich auf manche karge Anspielung seinen >eigenen Reim< machen, muß also mitdenken, mitdichten.
Der Anfang
Ich begann, mich in der Kurzgeschichte mitzuteilen. Die ersten Themen waren vorgegeben: der NS-Faschismus hatte uns als Kinder in Uniformen gesteckt und wollte, daß wir als >Werwölfe< den Ungeist weitertrieben. Darüber konnte und wollte ich schreiben. Die ersten Texte - noch in den vierziger Jahren - veröfTentlichten Schülerzeitungen mit bezeichnenden Namen wie >Grünschnabel<, >Dasjunge Wort< und >Schulhof<. 1957 wagte der Verleger Georg Bitter, der heute diese Auswahl möglich macht, die erste Buchausgabe meiner Kurzgeschichten unter dem Titel »Nennt mich nicht Nigger«.
Es gab Schwierigkeiten bei der Veröffentlichung dieses ersten Kurzgeschichtenbandes. Die Herren Verlagsvertreter hatten starke Bedenken, die fast bis zur Weigerung gingen, das Buch überhaupt anzubieten. »Wer hest denn hierzulande so was Ungewohntes wie Kurzgeschichten?« - »Und dann dieser