Bővebb ismertető
JOHANNES CLADDERS Interview zum deutschen Beitrag auf der Biennale in Venedig 1984 Rupert Walser Herr Cladders, Sie sind dieses Jahr wieder Kommissar der Bundesrepublik für die Biennale in Venedig. Sie haben Lothar Baumgarten und A.R. Penck ausgewählt. Die beiden Künstler stellen wohl einen Kontrast dar, haben aber doch wohl auch etwas gemeinsames. Ja, so sehe ich das, wobei der Gegensatz zunächst augenfälliger ist. Bei Baumgarten handelt es sich um eine im formalen Bereich immer streng gehaltene Sache und bei Penck geht es. formal gesehen, sehr bewegt zu, expressiv, wenn man so will, obwohl ich das Wort in dem Zusammenhang nicht so ganz glücklich finde. Überhaupt sind diese Anspielungen auf bestimmte, im 20. Jahrhundert gelaufene Epochen eigentlich gar nicht zutreffend. RW: 1983 fand die Ausstellung .Land of the Spotted Hagle« von Lothar Baumgarten im Städtischen Museum Abteiberg in Mönchengladbach statt, die von einem sehr schönen gleichnamigen Buch begleitet wurde. Lutz Schirmer zeigte Exponate und Buch in kleinerem Rahmen auch in München. Für mich gab es da ein bißchen das Problem, daß die ethnologischen Erfahrungen Baumganens vor allem in dem Buch so ästhetisch - im landläufigen Sinn -, so kostbar für das europäische Auge - ja, den Geschmack- gemacht oder sogar zubereitet sind. JC: Nein, das würde ich umgekehrt sehen; Baumgarten bedient sich ja der Sprache einer Hochkuluir und zwar einer europäischen Hochkultur sehr bewußt; und er begegnet damit anderen Hochkulturen und ich finde das eben eine Ebene, die sehr fair ist und sehr gerecht ist. Das ist eine Ebene, wo er sich in die Vorsteliungswelt anderer zwar hineinbegibt, aber sich nicht damit bekleidet - was er in dem Maße auch gar nicht mehr könnte. Das heißt, er benutzt keine Form von Folkloristischem oder so etwas, RW: Ja, mich haben zwar in der Ausstellung zum Beispiel Adlerfedem an der Wand und ähnliches doch etwas befremdet, aber das Buch ist wirklich sehr sehr gut und ist eben d i e europäische Form; ich meine rein: das Buch als Form. JC: Es ist eine typisch europäische Form, wie er sich den Dingen nähert. Wenn er solche Dinge nimmt wie Adlerfedern und versucht, hier adäquat zu arbeiten, ist das die eine Seite der Sache ja nur. Das Ende ist aber viel wesentlicher in so einem Buch dokumentiert. Da kommt dann sozusagen das Ergebnis einer solchen Beschäftigung zu Tage, wie auch das Ergebnis seiner eigenen Erfahrungen in Südamerika. Man kann die Federn nur im Kontext sehen, RW: Sie würden jedenfalls dieses Buch als Kunstwerk betrachten. JC:Ja. RW: Ist das dann für eine Ausstellung, wie es die Biennale ist, nicht problematisch? JC: Nein, das wird nicht problematisch. Baumgarten arbeitet in der Biennale mit Schrift. Und zwar mit Schrift auf dem Boden. Das Konzept ist soweit klar. RW: Es wird da also kein Buch pben - gibt es einen Katalog? JC: Ja, wir werden wahrscheinlich einen Katalog machen, soweit das Geld reicht. Wir sind nicht so furchtbar gut be-tucht diesmal und müssen sehen, wie wir das über die Runden kriegen. RW: Was ist der Gegensatz und das Gemeinsame nun bei Penck, relativ zu Baumgarten? JC: Bei Penck erscheint ja einiges im Gewände nahezu des Prähistorischen, wie man das so von Höhlenzeichnungen her kennt. Figuren, praktisch Strichmännchen, die von daher ihre Faszination bringen. Und da sehe ich eigentlich einen um-gekehnen Vorgang. Penck wird so gerne angesiedelt als ein Künstler, der im Bereich der Menschheitsvergangenhcit sucht, um da für sich Formen herauszuarbeiten, zu gewinnen und es dabei zu belassen; das heißt, die Faszination nur aus dieser Formenwelt zu nehmen. Und das, glaube ich, ist überhaupt nicht der Fall, sondern ich glaube, daß er sich mit sehr einfachen Zeichen, die ururalt sind, einer Gegenwart widmet. RW: Armin Zweite schreibt in seinem Katalog der Biennale Sao Paolo 1983 zu Penck: »wonach der Kunstler sucht, smd gleichsam die Symbole eines kollektiven Unterbewußtsems, wie es sich in der Gestaltfindung der verschiedenen Kulturen manifestiert , Von Penck selbst ist ebenda der Satz zitiert: .die Logik selbst, die die Modernität oder den Modernismus, und darauf lege ich Wert gebar, starb an der unbewäl-tigten Irrationalität.« Penck hat - zumindest mittlerweile -die Logik etwas zu Gunsten des Unterbewußtseins aufgege- JC: Ja, das glaube ich auch. Ich glaube nicht, daß man bei ihm auf der Basis der Logik irgendwo weiterkommt. Man kommt nur über gewisse Formen des Unterbewußtseins oder Äußerungen des Unterbewußtseins bei ihm weiter. Aber die wendet er eigentlich nicht an, um Eitelkeiten zu emdecken, sondern um u n s zu entdecken. RW: Bei Armin Zweite's Auswahl war neben Lüpertz auch Penck und dann noch Rainer Wittenborn dabei. Gibt es da eine Parallele? JC: Das würde ich nicht sagen. Ich glaube, daß Wittenborn sich doch eher auf einer Ebene bewegt, die aus dem ethnologischen Material direkter etwas herausholt. Und das macht Baumgarten nicht. So würde ich auch nicht so gerne Wittenborn und Baumgarten zusammen bringen. Ich glaube, da beißt sich etwas. Auch in der Kombination mit Lüpertz zeigt sich schon, daß Armin Zweite andere Ansätze hatte, RW: Sie bauen in Ihrer Auswahl auf den Kontrast des ersten Augenscheins: Penck-Baumgarten, der sich dann relativiert.