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Geleitwort
Unsere Erde ist - das zeigen uns Sateilitenbilder, das bericiiten Astronauten - ein »blauer Planet« inmitten eines sonst öden und lebensfeindlichen Weltraums. Die Raumfahrt hat unser Bewußtsein dafür geschärft, daß die Menschen in allen Ländern und Kontinenten eine Schicksalsgemeinschaft bilden - und daß sie gemeinsam Verantwortung tragen für die Bewahrung der ihnen anvertrauten Schöpfung.
Vor diesem Hintergrund verblassen gleichsam die Linien, mit denen auf Landkarten politische Grenzen markiert werden: Die Vernichtung der tropischen Regenwälder oder das Ozonloch über der Antarktis betreffen die Menschen überall auf unserer Erde gleichermaßen; die Gefahr weltweiter Klimaveränderungen rührt ohne Unterschied an den Lebensnerv aller Völker. Mehr und mehr setzt sich deshalb die Erkenntnis durch, daß wir eine weltumspannende Umweltpartnerschaft brauchen. Die Bewahrung der Schöpfung, die Überwindung von Unterentwicklung und Umweltzerstörung sind wesentliche Bestandteile einer dauerhaften, friedenssichernden neuen Weltordnung.
Glücklicherweise verlieren in Europa die Grenzen - nach Jahrhunderten grausamer Bruderkriege -heute immer mehr ihren trennenden Charakter. Unsere östlichen Nachbarländer fühlen sich der Demokratie, der Marktwirtschaft und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet. Wenn wir nicht nachlassen in unserem Engagement für die Einigung des Alten Kontinents, dann werden die Atlanten vielleicht schon an der Schwelle zum 21. Jahrhundert etwas grundlegend Neues abbilden können: ein in Frieden und Freiheit vereintes Europa, die »Europäische Union«.
Der vorliegende Atlas dokumentiert den epochalen Wandel, der sich in den vergangenen Jahren in Europa vollzogen hat: Deutschland ist seit dem 3. Oktober 1990 vereint; Sankt Petersburg trägt wieder seinen alten Namen; die baltischen Republiken haben ihre Unabhängigkeit zurückgewonnen und an die Stelle der früheren Sowjetunion sind souveräne Völker und eine Gemeinschaft Unabhängiger Staaten getreten.
Wer immer diesen Atlas zur Hand nimmt, sollte sich stets auch vergegenwärtigen, daß unser Planet nie einfach nur als Gegenstand der Kartographie betrachtet werden darf, sondern daß er allen Menschen Heimat ist - und dies auch für künftige Generationen bleiben soll.
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl