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DIE ENTWICKLUNG DER MODERNEN ARCHITEKTUR IN ITALIENWenn wir von den vielfältigen Ansätzen einer Erneuerung des europäischen Baustils im neunzehnten Jahrhundert reden und den differenzierten Reifeprozeß aller historischen, geistigen, wirtschaftlichen, sozialen und nicht zuletzt aller technischen Komponenten dieser Erneuerung verfolgen, konzentrieren sich unsere Untersuchungen im allgemeinen auf Mitteleuropa. Betrachtet man die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts als die chronologisch entscheidende Zeitspanne innerhalb dieser vorbereitenden Entwicklungsphase, so läßt sich ziemlich einwandfrei eine Einflußlinie ziehen, die von England ausgeht und systematisch nacheinander alle mitteleuropäischen Länder einbezieht: Frankreich, Deutschland, dann in wechselseitiger Beziehung Belgien, Holland, Österreich und die skandinavischen Länder. Der europäische Süden muß zunächst von dieser Betrachtung ausgeschlossen werden.Während die Architektur im übrigen Europa, in einem fast dramatischen Kampf gegen die historischen Stile, den Weg zu einer neuen Ausdrucksform sucht, durchlebt Italien ein Jahrhundert voller müder Erinnerungen an große Zeiten, in dem Archaismus und Eklektizismus jede wirklich echte schöpferische Regung einschlafen lassen. Das industriell rückständige Land erlebt erst sehr spät die großen wirtschaftlichen Umwälzungen und die damit verbundenen sozialen Bewegungen, sehr spät die Auseinandersetzung der Architektur mit den aus der Industrialisierung und Technisierung der Wirt-Bild 1 : Haus Basile in Palermo (1904), Architekt Ernesto Basile. Bild 2: Eingangsbau der Ausstellung in Turin 1902. Arch. Raim. D'Aronco.