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Geleitwort
Unter der Parole „Rettet die deutsche Sprache!" empörte sich ein Teil der Öffentlichkeit in einer Protestaktion gegen die Vereinbarung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, die am 1.7.1996 von politisch legitimierten Vertretern Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und anderer Länder unterzeichnet worden war. Sogar von orthographischem Terror war die Rede. Dazu muss gesagt werden, dass es die derart Protestierenden schlichtweg versäumt hatten, sich über den Gesamtzusammenhang angemessen zu informieren.
Die z. Zt. noch geltende Orthographie geht auf die Beschlüsse der sogenannten II. Orthographischen Konferenz von Í901 zurück. Damals wurden Regeln für die deutsche Rechtschreibung verabschiedet, die erstmals für den gesamten deutschen Sprachraum galten. Die auf diese Weise endlich erreichte Einheitlichkeit der Schreibung war zwar ein „Fortschritt", zugleich aber nur ein „Zwischenziel" (K. Duden) auf dem Wege zu einer Volksorthographie. Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurde daher immer wieder der Ruf nach einer Reform laut, denn die Bearbeitung, Ergänzung und Ausdifferenzierung der Regeln von 1901 fühlten dazu, dass kein Schreiber die geltenden Regeln vollständig beherrscht.
Im Jahre 1980 vereinbarten Vertreter von vier Reform-Kommissionen aus der Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen Republik, der Republik Österreich und der Schweiz, gemeinsam ein neues Regelwerk als Grundlage für eine Reform der deutschen Rechtschreibung zu erarbeiten. 1992 legten die in dem Internationalen Arbeitskreis für Orthographie zusammengeschlossenen Gruppen ein Reformpaket vor. Dieser Entwurf wurde in den beteiligten Ländern intensiv - und unter strenger Beachtung demokratischer Spielregeln - begutachtet und diskutiert. Nach zahlreichen Anhörungen, Debatten und einer weiteren Überarbeitung stimmte in Deutschland schließlich die Kultusministerkonferenz am 1.12.1995 der Neuregelung zu.
Auch wenn sich nicht alle Änderungsvorschläge des Internationalen Arbeitskreises für Orthographie realisieren ließen, verstärkt das neue Regelwerk dennoch die Grundregeln der deutschen Rechtschreibung und beseitigt eine Reihe von Sonder- und Ausnahmefällen. Dies führt zu einer besseren Erlernbarkeit der Regeln. Bei der Schreibung von Fremdwörtern, bei der Zeichensetzung und bei der Worttrennung am Zeilenende erhält der Schreiber Möglichkeiten zur eigenen Entscheidung.
Die Neuregelung tritt, beginnend mit dem 1.8.1998, schrittweise in Kraft. Bis zum Jahr 2005 gellen alte und neue Schreibungen nebeneinander. Diese lange Übergangszeit bietet auch den Kritikern der Reform die Gelegenheit, sich von den Vorzügen der neuen Regeln zu überzeugen.
Das vorliegende Wörterbuch wird sowohl der alten als auch der neuen Orthographie gerecht. Es hebt alle Änderungen hervor, die sich aus der Neuregelung ergeben. Auf diese Weise werden neue und alternative Schreibungen sowie neue erlaubte Worttrennungen sofort sichtbar. Ebenso hilfreich sind die knappen, aber dennoch verständlichen Erläuterungen von Regeln an ausgewählten Beispielen. Das Wörterbuch liefert darüber hinaus Erklärungen zu Ableitungen. Herkunft und Bedeutung der Einträge, beschränkt sich also bewusst nicht auf Angaben zur Orthographie. Der Wortbestand wurde komplett überarbeitet und aktualisiert. Insofern ist das Wörterbuch nicht nur ein ausgezeichneter Ratgeber in allen Fragen der alten und der neuen Orthographie, sondern ebenso ein wertvolles Kompendium zu allen Fragen der deutschen Sprache.
Dortmund, im November 1996
Prof. Dr. Hermann Zabel
Mitglied des Internationalen Arbeitskreises für Orthographie
Mitglied der Kommission für Rechtschreibfragen beim Institut für deutsche Sprache in Mannheim