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Vorwort des Herausgebers
Die Theologie hat eine eigenartige Spannweite. Eingezwängt in die Enge der stets etwas unzeitgemäßen kirchlichen Lebensformen bringt sie das Wort zur Sprache, das schlechthin alle vorstellbaren und denkwürdigen Dimensionen der menschlichen Geschichte sprengt. Obwohl sie selber ziemlich weltfremd, etwas altklug und reichlich abstrakt redet, steht die Theologie im Dienst jenes lebendigen Wortes, dem nichts Menschliches fremd ist. Es scheint, als brauchte das Evangelium - wie Paulus die Korinther belehrte - die Weisheit der Weisen und die Klugheit der Klugen noch immer nicht, um die »Torheit der Verkündigung« stark zu machen. Vielmehr braucht die Theologie, die Kirche und - warum eigenthch nicht? - die moderne Gesellschaft mehr denn je die »Schwäche Gottes «, um im Lichte der Versöhnung am Kreuz Jesu Christi die Schwäche ihrer eigenen Stärke zu erkennen. Stellvertretend für viele arbeitet sich nun gerade die Theologie an ihrem eigenen Widerspruch ab: in der Form der Gelehrsamkeit einfältig zu werden, in der Form der akademischen Macht der Ohn-Macht des Evangeliums Raum zu geben, in der Form von Begriffen das Unbegreifliche der Zuwendung Gottes zu uns allen zu denken. Die begriffliche Strenge und die logische Präzision wird nicht zuerst von irgend einer Grammatik des Denkens abgefordert, sondern von dem einen Logos, in dessen Dienst sie steht: von Gottes Wort, das sich schöpferisch, versöhnend und erlösend auf den Menschen und alle Wirklichkeit bezieht. Der schlichten Konzentration der Theologie auf das konkret Universale von Gottes Wort, das in Jesus Christus ein Mensch, ein ans Kreuz dieser Geschichte geschlagener Mensch geworden ist, entspricht deshalb die universahstische Weite der theologischen Aufmerksamkeit auf alles, was durch dieses Wort schöpferisch ausgesprochen und versöhnend angesprochen wird.
Das Neue Handbuch theologischer Grundbegriffe weiß sich der Zielsetzung des von Heinrich Fries an der Schwelle zum 2. Vatikanischen Konzil umsichtig herausgegebenen Handbuchs theologischer Grundbegriffe verpflichtet, bibUsch, historisch und systematisch »die für das Verständnis des chrisdichen Glaubens wesentlichen Themen der Theologie in Geschichte und Gegenwart« in ökumenischem Geist zu entwickeln. Gerade um der Verpflichtung auf die wesentlichen Themen der Theologie nachzukommen, mußte - 20 Jahre nach dem Konzil - das Handbuch (mit Ausnahme von zwei leicht überarbeiteten Beiträgen) vollständig neu gefaßt werden. Denn ganz offensichdich liegt das Wesentliche der Theologie nicht in der Aufhebung der kirchlichen Wahrheit in ein geschlossenes Begriffsystem, sondern in einer kritisch verantworteten Auslegung des kirchlich bezeugten Evangehums, die das Denken einer Zeit frei beansprucht. Von der Neuscholastik und ihren philosophico-theologischen Anpassungsversuchen hat sich die katholische Theologie der Gegenwart endgüldg emanzi-
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