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VORWORT
Das Neue Volksliederbuch für gemischten Clior wurde im Auftrage der Deutschen Akademie der Künste, Sektion Musik, in Verbindung mit dem-Zcntralhuus für Volkskunst herausgegeben. Es enthält 289 unbeglcitete Ciiorsätze für gemischte Stimmen aus den verschiedensten Zeiten, angefangen von den großen Meistern der Volksliedbearbeitung im 16. Jahrhundert bis zu den Tonsetzern der Gegenwart. Gegenstand der Bearbeitung ist das deutsche Volkslied. Es erscheint in den verschiedenartigsten Bearbeitungsformen, vom schlichten drei- und vierstimmigen Strophenliedsatz an bis zur mehrteiligen Liedmotette. Erweitert wird der Band durch eine Reihe vielgesungener Lieder und Chorstücke von ausgesprochen volksliedhafter Intonation. Für die Auswahl waren folgende Gesichtspunkte maßgebend:
I. Der Inhalt hatte in einem Querschnitt zu zeigen, wie die unerschöpflich reiche Welt des Volksliedes das Leben des Volkes in seinen mannigfaltigsten Äußerungen: seiner Heimat- und Vaterlandsliebe, seinen Kämpfen um eine .soziale Gerechtigkeit, seinen dichterischen Phantasien, .seiner Naturverbundenheit, seiner Lebensfreude und seinem realistischen Humor, aber auch seiner Trauer und seiner Klage bis in die intimsten Seelenregungen hinein spiegelt. Die zehn Abschnitte, in die das Volksliederbuch eingeteilt ist, geben davon Kenntnis.
II. Der Inhalt hatte gleichzeitig von einer Entwicklung des deutschen Volksliedes, seinen verschiedenen Stilepocben, dem Wechsel und der Variabilität seiner Inhalte, bedingt durch die Veränderungen, denen das Leben der Gesellschaft unterworfen war, Kenntnis zu geben. Die Lieder jedes Abschnittes erscheinen daher nach Möglichkeit in chronologischer Folge.
III. Bei der Auswahl .selbst wurde darauf gesehen, daß nur Lieder, die sowohl melodisch und textlich wertvoll wie auch gedanklich und gefühlsmäßig für ihre Zeit typisch .sind, Aufnahme fanden. Hierbei ergab sich, daß neben bekanntem und bekanntestem Liedgut, das in keiner Liedersammlung fehlen darf, zum erstenmale wieder eine größere Anzahl Lieder dem praktischen Singen zugeführt werden, die bisher verge.ssen in den wissenschaftlichen Sammelwerken schlummerten.
IV. Die große Verschiedenartigkeit der Bearbeitungen hatte sich unter einem Ge->icht8punkt zu finden: dem einer überzeugenden Interpretation der Liedwcise, ihres Charakters und Stils in Verbindung mit dem Textinhalt. Die Herausgeber sind sich bewußt, daß trotz sorgfältiger Auswahl die Beiträge der zeitgenössischen Bearbeiter noch nicht immer jene Problematik zu überwinden vermochten, die eine Folgeerscheinung der gesellschaftlichen und geistigen Krise unaerer Zeit ist.