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Auf der Suche nach dem Rückgrat im HolzJutta MartensFrantz AbsalonIn seinem Pariser Atelier kennt er jede Mauerunebenheit, jeden Riß und jeden Sprung im Gebälk. Uber Nacht völlig bewegungsunfähig geworden, verwandelte sich sein gewohnter Arbeitsraum allmählich in eine Zelle. Die dunklen Gestalten und Urwaldgewächse auf seinen Bildern und Leinwänden begannen ihn zu bedrängen. Damals wurde ihm bewußt, daß seine Bilder nur ein Vorstadium zu dem gewesen waren, was er letztlich anstrebte. Er beschloß, in Zukunft greifbare, im Raum präsente Skulpturen aus Holz zu fertigen.Als jene Lähmung nach sechzig Tagen wie ein Spuk wieder vorbei war. hatte der 1948 auf der Karibikinsel Martinique geborene Franzose, Frantz Absalon, mit der Malerei abgeschlossen. Das war 1986; seitdem ist er auf der Suche nach dem Rückgrat im Holz, wie er sagt. Als wollte er sich seine wiedergewonnene körperiiche Kraft ismmer wieder unter Beweis stellen, lehnt er jegliche elektrischen Geräte zur Erleichterung seines Arbeitsprozesses entschieden ab. Der seit 1968 in Paris lebende Künstler malträtiert die im Großstadtdschungel und auf Baustellen gefundenen Holzstücke und Balken nicht mit Säge und Schleifgeräten, sondern ringt ihnen, mit Hilfe eines selbstkonstruierten, flachen Schabeisens, in tagelanger, beharrlicher Anstrengung har-monisch-fliessende Formen ab, die er meist mit zahlreichen Schichten aus Kohlenstaub und Wachs überarbeitet neuerdings auch mit einer selbstan-gemischten Paste aus Kalkoder Sandstein und Knochenleim - und dann teilweise poliert. Seine puren, stets aus einem Stück gefertigten Holzplastiken, folgen weder einer starren Konzeption, noch sind sie Zufallsprodukte. Sie entwickeln sich während des Arbeitsprozesses. Er selbst, so meint der Künstler, legt die innerste Form des jeweiligen Holzstük-kes nur bloß, indem er Poren, Maserung und Sprünge respektierend bis zu dessen Kern vorzudringen versucht.Es muß an der zeitaufwendigen und behutsamen Bearbeitung liegen, daß Frantz Absa-lons Objckle wie von Energie aufgeladen wirken; weshalb er sie auch gerne mit kleinen Asieroiden vergleicht. Das Moment der Zeillosigkeit, die seine ebenso an Palmbliiller, wie an eine Spindel oder an ein Ruderblatt erinnernden Arbeitenzweifellos besitzen, ist ihm sehr wichtig. Auch erscheinen seine Skulpturen paradox er weise schwerelos, obwohl er häufig gewichtige und schwer zu bearbeitende Harthölzer verwendet. Zugleich besitzen seine Skulpturen eine diskrete aber nicht zu übersehende Erotik. Diese wird besonders in jenen Arbeiten deutlich, bei denen eine tiefe Furche die Holzmitte durchzieht, umschlossen von einer konisch zu den Enden zulaufenden ovalen Form, die er seit Jahren variiert. Andere Werke zeigen den Holzbalken an den Außenseilen unangetastet. Der bildhauerische Eingriff beschränkt sich auf das Aushöhlen oder Einritzen der Oberfläche, die er anschließend mit Kohlenstaub ein-hUlU.So etwa eine Arbeit von 1989: vi e rund vierzig schwarze Quadrate, regelmäßig rechts und links an eine erhabene gekalkte Mittelachse angeordnet, erscheinen hier wie die Abstraktion einer unendlichen Wirbelsäule. Obwohl sie beides gleichermaßen in sich bergen, besitzen Frantz Absalons Holzskulpturen eine erstaunliche Eigenständigkeit gegenüber Einflüssen zeitgenössischer Plastik und primitiver Volkskunst. Am ehesten könnte man sie noch der "art brut" zuordnen.Frantz Absalon wird in Paris von der "Galerie 10". 10 rue des Beaux-Arts vertreten, Die Arbeiten kosten derzeit zwischen 2.000 und 18.000 Mark.