Bővebb ismertető
GLORIA FRIEDMANN: Pórtalas. 19i
Ein Interview von Konstanze Crüwell-Doertenbach
Gloria Friedmann
K. C.-D.:
Ihre neueste Arbeit ist »Portalas» im Luberon, auf einem Plateau mit weitem Blick. G. F.:
Es ist meine erste »exotische« Arbeit, ich habe bisher immer unter Nordlicht gearbeitet und jetzt das erstemal im Süden, unter dieser ewigen Sonne. Die Sl ulptur besteht aus drei Teilen. Auch hier geht es wieder um das Problem des Zeitabiaufs, das mich immer interessiert hat, des Zeitablaufs. dem wir alle unterworfen sind in unserem menschlichen Dasein. Der große Quader Ist die Erde. Die Erde dreht sich um sich selbst, und dreht sich um die Sonne, als große Mechanik des Weituniversums. Die Erde ist hier nicht als nationales oder regionales Territorium dargestellt, sondern als Materie - ais Ort unserer Existenz. Dann geht man durch dieses Portal, ais Öffnung auf eine andere Sicht, ais Durchgang, ais eine Art Tor der Erkenntnis auch. Und hier ist die große Sonnenscheibe, auf der man erkennen kann, daß die Zeit abläuft: die erste Uhr die man kannte, als archaisches Beispiel war der Stock, den man in die Erde steckte und an dem man sah, daß der Schatten weiterläuft. Hier ist es der Mensch: wenn er sich In die Mitte der Sonnenschelbe stellt, dann Ist sein eigener Schatten den er wirft, die Zeitangabe. Man erkennt, daß etwas sich dreht.
»Alle Sonnenstrahlen verletzten, der letzte tötet" und "Zelt und Licht führen zur Ewig-
keit- - das sind die beiden Sprichwörter, in deren Mitte sich diese Arbeit befindet. Es ist ein Monument, das funktioniert und das mit dem Ort, an dem es steht, verbunden Ist. Es sind viele l\Aenschen, die durch diesen Zedern wald gehen und dann plötzlich in diesen Lichtstrom kommen und In diese große Weite sehen, die für mich Unendiichkeitsgefühle assoziiert. K. C.-D.:
Die geographische Situation ist natürlich sehr schön G. F.:
Die habe ich auch ausgesucht. Wenn man mich einlädt, so etwas zu machen, dann suche Ich auch vier oder fünf Tage, bis ich einen adäquaten Platz gefunden habe. Für mich ist ein Monument ein Denk-mal. in dem Sinne, daß es zum Nachdenken anregt. Das hängt ganz eng mit dem "Institut« zusammen, aber nicht wie bei Du-champ, daß es nur dadurch wirken kann, sondern daß es In ganz engen Zusammenhängen lebt. Die Kraft, die in einem Ort schon vorhanden ist, muß dargestellt werden K. C.-D.:
Im Sinne einer Verstärkung? G. F.:
Ja. Und wichtig ist, daß meine Arbelt überhaupt nichts mit der amerikanischen Land-Art zu tun hat. Land-Art greift in die Landschaft ein, in die Materie, verändert sie. Das ist der Gegensatz. Die Gegend ändert sich bei mir nicht. Wenn man meine Arbeit nach zwei Jahren wegnimmt, dann
sieht es genauso aus wie vorher. Also keine Veränderung der existierenden Landschaft.
Und zweitens, der ganz wichtige Punkt, der den großen Unterschied macht: daß diese Skulpturen nicht weiterverarbeitet werden, um wieder zurück In die Galerien zu kommen, wie zum Beispiel bei den Arbeiten von Walter de Maria, die er in der Wüste gemacht hat, die existiert dann in der Galerie nur durch die Fotoarbeit. Es ist so ein Zurückkommen, Kunst wird da gemacht und hat dort ein Recht zum Da-Sein. Ich versuche, das Gegenteil zu schaffen: daß Kunst woanders existieren kann, ohne Weiterverarbeitung, daß heißt, ich verkaufe keine Fotos oder Zeichnungen, sondern meine Arbelt ist in sich ganz integer und nur am Ort zu sehen. Sie geht nicht zurück in die Kunstweit. K.C.-D.:
Sie haben einmal gesagt, daß Sie eine philosophische Kunstform suchen. G. F.:
Das Endresultat läßt sich vielleicht als poetische Philosophie definieren. Einmai geht es um die Natur Wir sind Teil der Natur und wir sind gleichzeitig wir selbst. Das ist der große Gegensatz. Wir sehen uns in der Natur an wie Narziß in der Quelle: Das Naturbild ändert sich andauernd, in jedem Jahrhundert, das Bild ist immer ein anderes. Bei mir geht es aber um eine zeitlose Ausdrucksform, die nichts mit zeitgenössischer Kunst zu tun hat, sondern versucht, zeitlose, ewig wei-
terlragende Ideen auszudrücken. Auf der einen Seite ist also der Zeitablauf, die große Zeitfrage, die sich immer für mich stellt. Wenn wir zum Beispiel hier die Blumen anschauen, so wissen wir. daß wir die Blütezeit nicht aufrechterhalten können. Wenn man die Augen schließt und hört dem eigenen Herzschlag zu, dann hat man im Grunde seine intime Zeitvorsleilung, die weniger mit der Uhrzeit zu tun hat oder mit irgendweichen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern rein metaphysische Erfahrungen sind. Metaphysische Erfahrungen mit dem was uns umgibt, mit der Materie. Diese Materie ist natürlich immer Träger von philosophischen Dogmen. Und automatisch bin Ich in der Philosophie. Metaphysische Erfahrungen kann man nicht mitteilen, es sind Erfahrungen persönlicher Natur. Metaphysik ist etwas, was man auch durch Wissenschaft nicht voll erfassen kann. Aber ich glaube, daß man mit Kunst davon reden kann. Alles, was ich zeige, sind nur Fragmente. Fragmente dieses ganz Großen, zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit, Zeil, Zeit-ablauf. Tod und Leben. Und alles, was ich darstelle. Ist immer nur ein kleiner Teil des Fragments, von dem ich sowieso schon spreche. Es sind Denkanstöße. K,C.-D,:
Würden Sie Ihre Auffassung als romantisch bezeichnen, im Sinne einer Nachfolge von Schellings Naturphilosophie und Fichtes Naturieligion? Mit beidem wurden Sie in Zusanunen-
10 NIKE