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X T"yTAS treibt den deutschen Betrachter unwiderstehlich und immer aufs
i \ / Neue vor die Gemälde der altniederländischen Maler?
V V Gewiß ist es mehr als eine gleichsam historische Neugier, die
europäische Kunst der Ölmalerei in ihrem Ursprung selbst zu ergründen, die
Ölmalerei, jenen einzigen Kunstzweig, in dem die Neuzeit nicht hoffnungslos
hinter der Antike zurücksteht, ja diese sogar zu übertreffen weiß.
Nicht so sehr das Technische, wiewohl wunderbarlich genug, verführt zu
immer neuer Versenkung in die niederländische Kunst, es ist die Empfindung
unverkennbarer Verwandtschaft, die doppelt anziehend ist, als sie durch eine
durchaus verschiedene Gesinnung und Formensprache hin deutlich wird. Tritt
in der deutschen Kunst des Spätmittelalters ein moralisierender, philosophieren-
der Zug auf, so begnügt sich der Niederländer mit einer reinen Darstellung
an sich des vorbehaltlos geglaubten Inhaltes.
Die niederländischen Maler des 15. und 16. Jahrhunderts, deren kräftigste
Erscheinungen in dem vorliegenden Werk umrissen werden, sind nichts
anderes als gläubige Illustratoren des katholischen Kosmos. Ein dunkles,
bohrendes Grübeln nach den tieferen Seinsgründen, wie es so deutlich aus
Dürers Holzschnitten spricht, liegt ihnen durchaus fern. Die Allegorie spielt
daher eine sehr untergeordnete Rolle und ist in den Werken der Haupt-
vertreter kaum zu finden.
Es gilt, dem Glauben so vollkommen wie möglich zu dienen, der Schwer-
punkt liegt also auf dem Gebiet des Formalen, wo denn auch Leistungen von
fast unbegreiflicher Reinheit gelungen sind.
Die Grübelei und die Phantasie sind schweifend, die Ästhetik streng. Die
ungemeine Beherrschtheit und Strenge der niederländischen Malerei ist eines
der Elemente, die den deutschen Betrachter immer wieder fesseln. Niemals
kann bei einem niederländischen Künstler etwa das gothische Element zu
solchen Überwucherungen führen wie bei Stephan Lochner, niemals kann